Kolumne : Marcel Reif: Die Deutschen sind noch nicht am Limit

An dieser Stelle schreiben Marcel Reif, Fredi Bobic, Nadine Angerer, Lars Ricken und Mirko Slomka im Wechsel. Marcel Reif ärgert sich über Rehhagel und seine Griechen - und freut sich lieber mit Holland und Spanien.

marcel reif
Der Fernsehreporter. Marcel Reif kommentiert für uns die Bundesliga.Foto: Premiere

Nur ein Wort zu Otto Rehhagels Griechen, und nur um mir Luft zu machen: Es ist eine Frechheit, was Rehhagel anbietet, ein Diebstahl an Zeit und Lebensfreude.

So, jetzt ist Platz für die schönen Dinge des Lebens. Und die haben wir nun alle gesehen, Portugal, die Niederlande, Spanien und die Deutschen, sozusagen das designierte Halbfinale. Es gilt natürlich weiterhin, niemand zu unterschätzen, und dennoch, die vier Teams sind es, die meinen Kreis der Top-Favoriten bilden. Und ich setze noch eins drauf: Unter den Vieren erscheint mir die deutsche Mannschaft die seriöseste zu sein.

Die Portugiesen, sie haben geglänzt, ganz wunderbar, bei ihrem Spiel gegen die Türken. Aber auch wenn ich mich wiederhole, ich glaube an die Portugiesen erst, wenn sie den Pokal in den Händen halten, wenn sie nicht mal wieder mit irgendeiner Fado-Attacke traumschön zusammengebrochen sind.

Zu den Holländern. Was für ein Fest haben sie gefeiert, als sie den Weltmeister Italien auseinandernahmen. Und das war am Limit dessen, was man spielen kann. Das ist wahrscheinlich nicht mehr zu steigern und es ist die große Frage, ob so eine Leistung, dieses Tempo, dieser Spielwitz und diese Gradlinigkeit zu wiederholen sind. Sie haben nach diesem Sieg gefeiert, als hätten sie bereits die Welt erobert, einen Tick zu viel. Darin liegt die Gefahr, nämlich im Glauben, in der Arroganz, ohnehin weit über dem Rest zu stehen.

Die Spanier. Ja, ich traue ihnen weiterhin zu, endlich einmal nicht in ihre Einzelteile zu zerfallen. Und wie glücklich muss sich eine Mannschaft schätzen, die es sich leisten kann, einen Fabregas erst auflaufen zu lassen, wenn Senor Torres müde ist. In den 15 anderen Teams des Turniers wäre Fabregas gesetzter Stammspieler. Was aber passiert, wenn sie auf eine Mannschaft treffen, die, anders als die Russen, ihre Chancen auch einmal nutzt? In der Defensive stehen die Spanier keineswegs so fulminant wie in ihrer Offensive.

Bleiben die Deutschen. Die noch nicht am Limit sind, der Torwart muss sich verbessern, die Abwehr kann sich verbessern, da ist noch Luft nach oben. Platz für eine beängstigend deutsche Seriosität. Beängstigend für die anderen.

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