Kolumne: Meine Champions : Als Ronny Ronaldo hinterherlief

Sporting Lissabon ist die alte Liebe von Ronaldo - am Dienstag gibt es ein Wiedersehen in der Champions League.

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Hinterhergelaufen. Sportings Ronny sah Cristiano Ronaldo vor neun Jahren meiste von hinten.
Hinterhergelaufen. Sportings Ronny sah Cristiano Ronaldo vor neun Jahren meiste von hinten.Foto: picture-alliance/dpa

Zurück nach Lissabon. Ins Estadio José Alvalade zum Sporting Clube de Portugal, in dessen grün-weiß geringeltem Trikot Cristiano Ronaldo auch mal über den Platz hüpfte. Gerade erst hat er sein Engagement bei Real Madrid bis ins Jahr 2021 verlängert und bei der Vertragsunterschrift demonstrativ darauf hingewiesen, „dass meine Verbindung zu Sporting nie abreißen wird“.

In der jüngeren Vergangenheit reduzierte sich diese Verbindung darauf, in jedem Spiel gegen Sporting ein Tor zu schießen. Und eben deshalb ist die Vorfreude in Lissabon auf Reals Gastspiel am Dienstag am fünften Vorrundenspieltag der Champions League ambivalent. Natürlich werden sie Ronaldo feiern, es ist sein erstes Spiel in der Heimat seit dem Gewinn der Europameisterschaft im vergangenen Sommer. Aber sie haben auch ein bisschen Angst vor ihm. „Ronaldo ist geboren, um Tore zu schießen“, sagt Sportings Trainer Jorge Jesus. „Dafür hat er Talent, das nicht von dieser Welt ist.“ Am Samstag hat er dieses Talent beim Madrider Derby vorgeführt. Im Estadio Vicente Calderon schoss Ronaldo alle drei Tore zum 3:0-Sieg bei Atletico, Auskünfte zum Stellenwert so eines Erfolges erteilen gern die Sportkameraden vom FC Bayern München.

In Sportings Vereinsmuseum hängt Ronaldos Trikot mit der Nummer 28, er hat es im Alvalade bei einem einzigen großartigen Spiel getragen. Vor 13 Jahren zur Einweihung des Stadions im Zentrum von Lissabon, als Ehrengast wurde damals Manchester United vorstellig. United hatte gerade zum 15. Mal die englische Meisterschaft gewonnen, aber der 18-jährige Ronaldo scherte sich einen Dreck um große Namen und eingeflogene Grätschen. 90 grandiose Minuten lang verzauberte er das Publikum mit seinen Tempodribblings, und Manchesters Trainer Alex Ferguson bestand noch während des Rückfluges darauf, das Bürschlein aus der portugiesischen Sonne in den nordenglischen Regen zu holen.

Im Herbst 2007 kam Ronaldo mit Manchester United nach Lissabon

Eine Weltkarriere nahm ihren Lauf. Sportings Fans sahen aus der Ferne zu und einmal auch im Alvalade. Im Herbst 2007 schaute Ronaldo am ersten Spieltag der Champions League mit United vorbei. Für Sporting verteidigte ein junger Brasilianer, den es später auch mal nach Berlin verschlagen sollte. Ronny war noch ein bisschen schlanker als zu seiner Zeit bei Hertha BSC, er jagte einen seiner berühmten Freistöße auf das Tor und war sonst damit ausgelastet, Cristiano Ronaldo hinterherzulaufen. Das Publikum begleitete die Tempoläufe des zurückgekehrten Helden mit Ovationen, und Ronaldo schien es ein bisschen peinlich zu sein, dass ausgerechnet er mit einem spektakulären Flugkopfball das Tor zum 1:0-Sieg für United erzielte.

Zu dieser Zeit gab es noch nicht das ungeschriebene Gesetz, das ausgelassenen Torjubel gegen den früheren Verein als schwere moralische Verfehlung geißelte. Ronaldo aber lief in die Kurve zu den Sporting-Fans und drückte mehrfach die Arme nach unten, die Glückwünsche der Kollegen nahm er eher widerwillig hin. Bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss erhoben sich 50.000 Zuschauer und applaudierten. „Die Reaktion der Fans hat mich sehr stolz gemacht“, sprach Ronaldo später, „es war der vielleicht stolzeste Augenblick meines Lebens“.

Ein paar Wochen später beim Rückspiel im Old Trafford führte Sporting lange Zeit 1:0. Carlos Tevez glich aus und in der Schlussminute stellte sich Cristiano Ronaldo beim Freistoß mal wieder wie John Wayne in Position und wuchtete den Ball aus 30 Metern zum finalen 2:1 ins Tor. Am Ende dieser Saison stand das Finale von Moskau, Ronaldo und United gewannen es im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea.

Ein Jahr später wechselte Ronaldo zu Real Madrid. Mit einem Besuch bei Sporting ließ er sich Zeit bis zum November 2016. Im September gab es im Madrider Estadio Santiago Bernabeu eine Ouvertüre nach dem bekannten Muster. Sporting spielte gut und lag 1:0 vorn. Diese Führung hielt bis zur vorletzten Minute, bis zu Ronaldos kunstvoll in den Winkel gezirkelten Freistoß. Rui Patricio, der Torhüter der portugiesischen Europameistermannschaft, flog spektakulär, aber vergeblich. Eine Minute später traf Alvaro Morata zum 2:1-Siegtor für Real. Fortsetzung folgt. Wahrscheinlich schon am Dienstagabend im Alvalade.

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