Kolumne: Meine Champions League : Arsene Wenger bleibt - egal, wie es ausgeht

Arsenal gegen Barcelona - dieses Duell gab es oft in der Champions League. Auch am Dienstag treffen die Klubs wieder aufeinander, diesmal im Achtelfinale. Ein Blick zurück - und natürlich nach vorn.

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Vor dem Hinspiel am Dienstag in London spricht wenig dafür, dass Arsenal und Arsene Wenger erfolgreich Revanche gegen Barcelona nehmen können.
Vor dem Hinspiel am Dienstag in London spricht wenig dafür, dass Arsenal und Arsene Wenger erfolgreich Revanche gegen Barcelona...Foto: Reuters

Neulich war Lucien Favre zur privaten Fortbildung in England. Für den Schweizer ist es gar nicht so einfach, irgendwo in Ruhe beim Fußball zuzuschauen, weil sein Erscheinen überall leicht als Indiz für aktive Jobsuche interpretiert wird, was weder für die jeweiligen Trainer vor Ort noch für den auf Loyalität bedachten Favre besonders angenehm ist. Am vergangenen Sonntag im Londoner Norden musste er sich keine Sorgen machen. Zur Besetzung der Trainerbänke traten auf: Claudio Ranieri, als Vater des kleinen Wunders beim sensationellen Premier-League-Tabellenführer Leicester City frei von jeder Entlassungsgefahr. Und Arsène Wenger, er begeht im Sommer sein zwanzigjähriges Dienstjubiläum beim FC Arsenal und kann eigentlich nur von einem entlassen werden, nämlich von sich selbst.

Die frankophonen Fußballlehrer Favre und Wenger sind seit einer halben Ewigkeit befreundet. Nach Arsenals knappem und spätem Sieg über Leicester haben sie noch ein bisschen geplaudert über die Höhepunkte der beiden Dekaden des Monsieur Wenger in Highbury. Der Elsässer hat mit Arsenal dreimal die Englische Meisterschaft gewonnen und sechsmal den FA Cup. Sein Freund Favre betet heute noch mit leuchtenden Augen die Namen der Helden von damals herunter: Thierry Henry, Dennis Bergkamp, Patrick Vieira, Robert Pires … Alle haben sie in der Blüte ihrer Kunst für Arsenal gespielt und wurden stets als Favorit auf den Gewinn der Champions League gehandelt. Nie waren sie so dicht dran wie im Mai 2006, als es im Finale gegen den FC Barcelona ging.

Sven Goldmann schreibt immer dienstags in den Spielwochen der Champions League über Kicker, Klubs und Klassiker in Europas Fußball.
Sven Goldmann schreibt immer dienstags in den Spielwochen der Champions League über Kicker, Klubs und Klassiker in Europas...Foto: Tagesspiegel

Auf dem Weg dorthin schaltete Arsenal zunächst Real Madrid und Juventus Turin aus, aber am schwierigsten war es im Halbfinale gegen den Außenseiter FC Villarreal. Das 1:0 im Hinspiel war das letzte Europapokalspiel im traditionsreichen Highbury-Stadion. Beim Rückspiel hätten die Spanier in der Schlussminute gleichziehen können, als der Argentinier Juan Roman Riquelme zum Elfmeter antrat und Jens Lehmann mit seiner Parade schon mal vorwegnahm, was die Argentinier ein paar Wochen später im WM-Viertelfinale von Berlin zu erleiden hatten.

Auch das Endspiel der Champions League in Paris stand ganz im Zeichen des deutschen Torhüters. Allerdings nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte. Da Spiel war erst eine gute Viertelstunde alt, da riss Lehmann ein paar Meter vor dem Strafraum Barcelonas Samuel Eto’o um. Ludovic Giuly kickte den austrudelnden Ball ins leere Tor, aber der norwegische Schiedsrichter Terje Hauge mochte den Vorteil nicht gelten lassen. Er entschied auf Freistoß für Barça und Rote Karte gegen Lehmann. Zehn Londoner gingen zwar kurz vor der Pause durch Sol Campbells Kopfball in Führung, aber in der turbulenten Schlussphase legte Henrik Larsson zweimal auf, was Eto’o und Juliano Beletti zu den entscheidenden Toren für Barcelona nutzten. Es war eine bittere Nacht des Abschieds für Arsenals Franzosen Pires, der nach Lehmanns Platzverweis für den Ersatztorhüter Manuel Almunia weichen musste, und das in seinem letzten Spiel für Arsenal. Sein Landsmann Henry widerstand nur deshalb einem Angebot aus Barcelona, weil er nach so einer Niederlage auf keinen Fall wechseln wollte. Ein Jahr später wanderte er dann doch in Richtung Nou Camp ab.

In den folgenden Jahren sind sich beide Mannschaften noch zweimal in der K.-o.-Runde der Champions League begegnet. 2010 im Viertelfinale und 2011 im Achtelfinale, beide Male verlor Arsène Wenger das Duell gegen seinen Trainerkollegen Pep Guardiola (den er im kommenden Jahr bekanntlich beim Premier-League-Konkurrenten Manchester City wiedersehen wird). Auch in dieser Saison hat das Los den Londonern den Vorjahressieger aus Catalunya beschert. Vor dem Hinspiel am Dienstag in London spricht wenig dafür, dass Arsenal erfolgreich Revanche nimmt. In der Meisterschaft ist Arsenal nach gutem Start auf Platz drei abgesackt. Gegen Leicester musste schon eine frühe Rote Karte weiterhelfen, zuletzt reichte es im Pokal daheim nur zu einem 0:0 gegen den Zweitligisten Hull City. Die Gerüchte um einen Wechsel des deutschen Nationalspielers Mesut Özil ausgerechnet nach Barcelona eignen sich auch nicht zur Verbesserung des Betriebsklimas. Sicher ist derzeit nur, dass Arsène Wenger im Sommer sein 21. Dienstjahr in Highbury antreten wird. Auf dass Lucien Favre ihn auch in Zukunft besuchen kann.

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