Kolumne : Nadine Angerer: Diese Leistung war keine Überraschung

An dieser Stelle schreiben Nadine Angerer, Marcel Reif, Mirko Slomka, Fredi Bobic und Lars Ricken im Wechsel. Nadine Angerer traut der deutschen Mannschaft jetzt alles zu.

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Die Nationaltorhüterin. Nadine Angerer, 28, spielte von 2001 bis 2007 bei Turbine Potsdam und jetzt in Stockholm.Foto: ddp

Ich war nicht überrascht über die Leistung gegen Portugal, ich hatte so einen starken Auftritt des deutschen Teams erwartet. Gerade auch weil die Stimmung vorher so negativ war und Portugal als Favorit galt. Löws Mannschaft wollte unbedingt eine Reaktion auf die schwächeren Spiele vorher zeigen. Portugal hat einfach einen anderen Namen. Gegen Stars wie Ronaldo oder Simao ist man als Spieler mehr motiviert als gegen Österreich, ohne die Österreicher angreifen zu wollen. Gegen Österreich, das war ein Pflichtsieg, gegen Portugal ging es um den Einzug ins EM-Halbfinale. Außerdem war Bastian Schweinsteiger wieder dabei, er ist ja sowieso der Portugal-Schreck. Schon bei der WM 2006 hat er ja im Spiel um Platz drei zweimal gegen die Portugiesen getroffen.

Die mannschaftliche Geschlossenheit war wieder da, das Team war fokussiert und diszipliniert. Ein Rädchen hat in das andere gegriffen, und ein Quäntchen Glück war auch dabei. Es war alles drin, Tore, Chancen, es war spielerisch ein starker Auftritt. Dass Joachim Löw oben auf der Tribüne saß, hat keine Rolle gespielt. Die Arbeit wird sowieso vorher gemacht, während des Spiels kann der Trainer nicht mehr viel tun. Da ist es egal, wo er sitzt.

Jens Lehmann stand ja in letzter Zeit in der Kritik wegen seiner fehlenden Spielpraxis in London. Vielleicht hat er viele Leute am Donnerstag eines Besseren belehrt – mich nicht. Ich bin schon lange ein Fan von Lehmann. Es war für mich nie eine Frage, ob er spielen würde. Ein Torwart muss auch erst einmal ins Turnier reinkommen. Natürlich braucht er Spielpraxis, aber Lehmann ist nicht mehr 25, und bei Arsenal hat er mit Weltklassespielern trainiert.

Das Halbfinale wird superschwer. Aber Deutschland ist eine Turniermannschaft – jetzt ist alles möglich.

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