Kolumne: So läuft es : Berlin, wir laufen weiter. Jetzt erst recht.

Das Laufen ist vielleicht gerade jetzt eine kleine Insel, um den inneren Frieden zu finden. Und wann wenn nicht in diesen Tagen, ist genau diese Art Frieden so wichtig.

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Auch künftig wird rund um die Gedächtniskirche gelaufen. Und dass nicht nur beim Berlin-Marathon.
Auch künftig wird rund um die Gedächtniskirche gelaufen. Und dass nicht nur beim Berlin-Marathon.Foto: dpa

Immer wenn ich in Berlin bin, laufe ich. Und meist laufe ich an der Gedächtniskirche vorbei. Und immer stoppe ich vor diesem wunderbaren Bauwerk, das ein Mahnmal für den Frieden ist. Ein Mahnmal für den Frieden! Deshalb war der Anschlag ein Anschlag gegen den Frieden. Gegen den Frieden in uns selbst. Gegen den Frieden zwischen den Völkern. Gegen den Frieden zwischen den Religionen.

Läufer laufen, um zu sich zu finden. So ist es bei mir, so ist es bei Millionen von Läufern. Und das ist noch nicht alles. Wenn wir gemeinsam am Start eines Marathons stehen, fragen wir nicht nach Religionen, Herkunft, achten wir nicht auf die Hautfarbe. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir gehen einen gemeinsamen Weg. Wir sind füreinander da, wenn wir nicht mehr können, wir teilen Wasser und Essen miteinander, und wir teilen die Schmerzen.

Und wenn wir fallen, stehen wir wieder auf. Weil immer jemand da ist, der uns eine Hand reicht. Und wir achten nicht darauf, wessen Hand es ist. Wir nehmen sie einfach. Und wir geben sie einfach. Wenn der Terror wie bei dem Anschlag auf den Boston Marathon am 15. April 2013 Einzug hält, dann trauern wir. Aber wir laufen weiter. Obwohl wir wissen, dass diese Veranstaltungen ein beliebtes Ziel für Anschläge gegen unsere Freiheit und unseren Frieden sind.

Das Laufen heilt die Seele, ein Fakt der so oft medizinisch erwiesen wurde. Menschen laufen sich regelrecht aus Depressionen, dieser Sport wird als natürliche Medizin eingesetzt. Das Laufen schafft Nähe. Nicht nur zum eigenen Körper, den man wieder viel deutlicher spürt. Laufen schafft auch Nähe zu unseren Mitmenschen. Wer gemeinsam läuft, wird genau diese Erfahrung machen. Man läuft Seite an Seite, für ein gemeinsames Ziel. Man hört den Atem des anderen, öffnet sich in Gesprächen beim Laufen, weil man eine gemeinsame Ebene hat. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist das, was so oft fehlt. Das Vertrauen in uns selbst, und in andere. Laufen wir für mehr Vertrauen.

Laufen wir weiter über die Weihnachtsmärkte. Ignorieren wir die hässlichen Gesellen, die sich Hass und Hetze nennen, die nichts mit Demokratie und Frieden zutun haben. Berlin bleibt Berlin. Weihnachten bleibt Weihnachten. Ihnen allen ein gesegnetes Fest. Vergessen wir die Opfer nicht, vergessen wir die Angehörigen nicht. Lassen Sie uns den Mut haben, weiter zu laufen, unseren Weg weiter zu gehen. Vergessen wir die Liebe nicht. Sie darf nie fehlen. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier normalerweise donnerstags übers Laufen. Aus aktuellem Anlass haben wir obige Kolumne vorgezogen. Zuletzt erschienen sind: "Posten ist nicht gleicht Posen" und "In jedem steckt eine Lauf-DNA" und "Der Winter macht stark" .

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