Kolumne So läuft es : Die besonderen Regeln beim Laufen mit Hund

Unser Kolumnist liebt es, gemeinsam mit seinen Hunden zu laufen. Er tut es behutsam - und ärgert sich über Läufer, die nicht auf ihre Hunde achten.

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Mike Kleiß' Hunde Spagna und Dante.
Mike Kleiß' Hunde Spagna und Dante.Foto: Kleiß

Seit bald fünf Jahren laufen meine beiden Hunde Spagna und Dante an meiner Seite. Ich habe sie aus einem italienischen Tierheim adoptiert. Sie waren damals acht Monate alt. Jeden Morgen sind wir zusammen gelaufen. Und nie, nie habe ich vergessen dankbar zu sein. Für jeden Moment, für jede tröstende Pfote, wenn es bei mir einmal nicht so lief.

Wir sind durch Hagel, Sturm, Kälte, Regen und Hitze gelaufen. Und immer, immer wieder war ich glücklich, das leise Hecheln zu hören, wenn sie einmal ihren eigenen Weg gelaufen waren. Und zu mir zurückkamen. Wir haben stets aufeinander geachtet. Und sind respektvoll und achtsam miteinander umgegangen. Ohne zu vergessen, was und wer wir sind. Sie Hund. Ich Mensch. Die Regeln waren immer klar. Und die Liebe zwischen uns ebenfalls. Und so ist es bis heute. Und so wird es immer sein.

Nun sind Spagna und Dante im Spätsommer ihres Lebens. Und es ist für mich selbstverständlich, dass es Tage gibt, an denen sie mich nicht begleiten können. Gerade in dieser Jahreszeit. Weil sie in ihrem Spätsommer sind. Weil sie genug haben. Weil sie mich lange genug ertragen haben. Und meine Launen. Weil es Sommer ist. Und zu heiß. Und das gilt es zu respektieren. Auch wenn es hart ist. Auch wenn es weh tut. Auch wenn es sehr weh tut, weil es ein Abschied auf Zeit ist.

Wer täglich in der Natur läuft, spürt, wie sie sich täglich verändert. Der Wechsel der Jahreszeiten hat einen täglichen Duft, der immer anders ist. Jeden Tag. Wer täglich mit dem Hund läuft, spürt auch bei seinem Freund eine sehr direkte Veränderung. Jede Stimmungsschwankung, jede Macke. Leider sieht und spürt man auch sehr direkt, wenn es nicht mehr so läuft. Wenn der wunderbare Freund in die Jahre kommt. Und gerade dann haben diese Wesen unseren Respekt verdient.

Wir haben uns entschieden, Verantwortung zu tragen, als wir uns für sie einmal entschieden haben. Und ich spüre, dass Spagna und Dante gerade jetzt verdient haben, dass ich Verantwortung für sie trage. Jeden Morgen versuche ich, achtsam in sie hineinzuhören. Und erst dann entscheiden wir gemeinsam, wie und ob es läuft.

In den vergangenen Tagen sehe ich oft Läufer, die all das nicht tun. Bei Temperaturen um die 30 Grad laufen sie mit ihren Hunden ebenso weit und schnell wie im Winter. Und oft sind es Hunde, die wie Spagna und Dante den Spätsommer ihres Lebens erfahren. Würden sich diese Läufer wenigstens einmal umdrehen, so würden sie den verzweifelten Blick ihres Freundes sehen. Der trotz Schmerzen und Qual hinterher läuft. Aus Treue und Liebe. Missbrauchen wir die Liebe nicht, bitte. Und gehen wir mit Freundschaft achtsam um. Daniel Defoe hat einmal gesagt: „Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aus dem Respekt.“ So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt an jedem Donnerstag übers Laufen.

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