Kolumne: So läuft es : Lassen Sie sich nichts erzählen!

Es gibt beinahe so viele Mythen rund um das Laufen wie es Läufer gibt. Die meisten davon kann man getrost ignorieren, findet unser Kolumnist.

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Kalt draußen. Laufen geht trotzdem - wenn man will!
Kalt draußen. Laufen geht trotzdem - wenn man will!Foto: Imago

Ist es überhaupt noch gesund, bei eisiger Kälte zu joggen? Diese Frage stellte vor kurzer Zeit der Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte Ingo Froböse in einem großen Nachrichtenmagazin. Ich frage mich: Auf der Couch sitzen bleiben trotz mächtig Übergewicht, ist das denn gesund? Ein weitere, oft geäußerter „Tipp“ für Läufer ist: „Wer lange ohne Verletzungen laufen will, muss sich aufwärmen.“ Es gibt derzeit weltweit keine Studie, die das belegt. Sehr gerne von besorgten Freunden oder Partnern genommen ist auch: „Regelmäßiges Joggen schadet dem Kniegelenk.“ Sorry, das Gegenteil ist der Fall. Das Kniegelenk wird sogar gestärkt, wie die neuesten Studien zeigen.

Es gibt beinahe so viele Mythen rund um unseren Sport wie es Läufer gibt. Und die meisten dieser Mythen sind versteckte, oft sogar sehr klare Warnungen. Wenige können belegt werden, es bleibt oft ein fader Beigeschmack von negativer Energie. Und genau die macht schwach. Menschen, die gerne etwas für sich tun wollen, die mit dem Laufen beginnen wollen, werden durch diese Mythen und Warnungen von der Laufstrecke eher vertrieben, bevor sie auch nur einen Schritt gemacht haben. Wirklich fatal an vielen Behauptungen und Ratschlägen ist, dass sie zu oft einfach nur aus dem Bauchgefühl oder den persönlichen Erfahrungen von vermeintlichen Experten und Gurus resultieren und als eine Art Wahrheit dargestellt werden.

Man bekommt – auch wenn man nur diese Laufkolumne jeden Donnerstag schreibt – sehr schnell den recht üblen Stempel des Laufgurus. Alleine der Begriff Guru fühlt sich für mich ähnlich schlimm an wie ein kaputtes Knie, das ich nie hatte. Das aber nur am Rande. Wichtig ist nur eines: Laufen Sie! Laufen Sie doch einfach. Hören Sie nur auf einen Experten, auf nur einen Guru. Auf sich selbst. Wenn Sie gut damit klarkommen, bei minus zehn Grad zu laufen, dann machen Sie das.

Wenn Sie während eines zehn Kilometer Laufs etwas essen müssen, obwohl man angeblich erst bei einer Marathon-Distanz etwas Energie nachtanken sollte, dann essen Sie. Wenn Sie im Sommer bei 40 Grad laufen mögen, weil Sie es lässig finden, wenn Ihnen der Schweiß in den Schuhen steht, dann los. Und sollten Sie zu den Dehn-Fetischisten gehören, die sich genauso lang dehnen wie sie laufen, dann machen Sie das genau so. Stretchen Sie sich, bis Sie zum Schlangenmensch werden.

Es gibt zwar keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass das irgendeinen Sinn macht. Aber wenn es Ihrem Kopf dann besser geht, dann legen Sie los. Hauptsache, Sie laufen und lassen sich nicht ein ganzes Rudel Schweinehunde ans Bein binden. Ihr Lauf-Guru – der nie einer sein wird – schreit Ihnen laut ein „Tschakka“ zu. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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