Kolumne So läuft es : Mission Schweiß weg

Manchmal stinkt es Mike Kleiß. Und damit ist er nicht alleine. Doch es gibt eine Lösung gegen den Schweißgeruch in Laufklamotten - und sie ist ganz einfach.

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Nase zu und durch. Ein Marathon ist eine schweißtreibende Angelegenheit.
Nase zu und durch. Ein Marathon ist eine schweißtreibende Angelegenheit.Foto: AFP

Es war in Südafrika so, es war in Hamburg so, es war gerade erst in Amsterdam wieder so. Und es wird in New York in ein paar Tagen erneut so sein. Jeder kennt das. Du stehst am Start beim Marathon. Und da ist er wieder. Dieser Duft, den ich persönlich am meisten fürchte. Der meine Motivation kurz vor einem jeden Marathon komplett pulverisiert. Dieser Mix aus Waschpulver und altem Schweiß. So bitter. So fürchterlich bitter. Absurd ist ja: Bevor überhaupt etwas passiert ist, riecht es schon streng. Gut, wer sich im Zielbereich beim Marathon aufhält, der muss schon sehr stark sein. Nach 42 Kilometern darf man auch stinken! Klare Jacke. Aber vor einem Lauf?

Schweißgeruch ist eine eindeutige Sache. Schweiß ist Schweiß. Die Duftnote variiert natürlich von Mensch zu Mensch. Aber Waschmittel und alter Schweiß in Kombination, das ist die Hölle. Zu stinken ist natürlich nicht sexy. Und peinlich ist es, wenn man selbst merkt, dass der eigene Schweißgeruch einfach nicht aus den Laufsachen entweichen will. Wegschmeißen ist für die meisten keine Option. Schließlich hat man die Klamotten über die Jahre hinweg lieb gewonnen. Und dann beginnt der totale Läuferwahnsinn. Die Suche nach dem Mittel der Mittelchen schlechthin, um endlich den Schweißgeruch aus den Fasern zu bekommen.

Es ist schon echt irre, was Menschen alles in die Waschtrommel kippen. Es geht los mit Teebaumöl. Gut dosiert soll es Wunder wirken. Gut geölt ist dann ganz sicher alles. Der Schweißgeruch jedoch bleibt. Sogenannte Hygienespüler, die als Zusatz in die Wäsche gegeben werden, sollen die hartnäckigen Bakterien abtöten, die für die Stinkerei verantwortlich sind. Die Hersteller dieser Mittel freuen sich, die Bakterien auch. Sie bleiben. Totale Lauffreaks legen die Funktionssachen über Nacht ins Gefrierfach, um die Bakterien zu eliminieren. Tauen diese wieder auf, stinken sie noch immer. Versprochen.

Einer der wohl effektivsten Tipps ist, die Wäsche möglichst heiß zu waschen. Gar zu kochen. Eine wirklich tolle Idee. Gerade bei synthetischen Fasern. Die Teile haben hinterher Baby-Format, stinken tun sie noch immer. Und wenn gar nichts mehr geht, dann geht Essigessenz. Man kann sicher sein: Der Schweißgeruch ist dann endlich sicher verschwunden. Es bleibt der Mix aus Essig und Waschmittel! Lecker!

Was also wirkt wirklich? Und ich bin mir sicher, ein Teil meiner Antwort wird Sie verunsichern. Selbst die Lieblingsjeans wird eines Tages nicht mehr zu flicken sein. Auch der Lieblingspulli geht aus der Form, die Farben sind nicht mehr ganz frisch. Kein Kleidungsstück ist für die Ewigkeit. Und, verblüffend: Gerade wenn man Dinge häufig trägt, verschleißen sie. Warum sollte es bei Laufsachen anders sein? Zumal wir sie besonderen Strapazen aussetzen. Wer viel läuft, braucht oft Nachschub. Eigentlich total logisch. Zwar achten die Hersteller darauf, dass Funktionskleidung äußerlich lange hält, dass Nähte und Reißverschlüsse nicht den Geist aufgeben, der Verschleiß macht sich jedoch anders bemerkbar. Zum Beispiel am Geruch, der nicht mehr weichen will. Bevor man also für viel Geld Zusatzmittelchen kauft, einfach mal eine neue Klamotte besorgen. So läuft es.

- Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt bei Tagesspiegel.de an jedem Donnerstag übers Laufen.

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