Kolumne: So Läuft es : Wie das arme Berlin wenigstens sexy werden kann

Niemand in Deutschland bewegt sich weniger als die Berliner. Die Berliner sollten deshalb alle joggen, findet unser Kolumnist.

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Lauf, Berlin! Ob alleine oder im Lauftreff, über Straßen oder in Parks.
Lauf, Berlin! Ob alleine oder im Lauftreff, über Straßen oder in Parks.Foto: picture alliance / dpa/Soeren Stache

Deutschland wird immer dicker, Deutschland bewegt sich nicht genug und immer weniger, das ist alles nicht neu. Dieser Trend ist seit Jahren ein Problem. Und es wundert nicht, dass eine große deutsche Krankenkasse nun eine neue Studie veröffentlicht hat. Denn Studien sind ein prima PR-Werkzeug. Studien sorgen dafür, dass es auch Krankenkassen mal wieder in die Medien schaffen. Das Meinungsforschungsinstitut GFK hat für diese Studie eine repräsentative Umfrage gestartet und die Frage gestellt: „Wie gesund lebt Deutschland?“. Die Ergebnisse sind vernichtend.

Wissenschaftler empfehlen, sich wenigstens 150 Minuten pro Woche zu bewegen. Das schaffen nur 45 Prozent der Deutschen. Da helfen selbst Fitnesstracker nichts. Die digitalen Helfer, die uns in Bewegung bringen sollen, nutzen nur sieben Prozent der Befragten. Berlin ist arm und unsexy.

Sport ist das neue Sexy. Jeder, der hip sein will, jeder der trendy sein will, treibt Sport. Und wenn eine Stadt sexy und hip sein will, dann ist es Berlin. Der Trend scheint noch nicht angekommen zu sein. Die Hauptstadt ist echt arm, wenn es um Bewegung geht. Der Berliner sitzt am Tag neun Stunden. Niemand in Deutschland bewegt sich weniger, niemand in Deutschland sitzt länger, so jedenfalls die Umfrage.

Studien sind meist unlässig. Weil sie schonungslos aufdecken. Sie sind aber tatsächlich unlässig, weil sie – wie auch die aktuelle Studie – keine Lösungen aufzeigen. Deshalb: Feiern Sie diese Kolumne, feiern Sie die Flitz-Piepen in Berlin! Werden Sie eine Flitz-Piepe! Das ist die Hoffnung für Berlin, endlich sexy zu werden. Das könnte eine Lösung sein. Gegründet wurde diese wilde Laufgang vor vier Jahren. Von zwei Freunden, die sich seit der Grundschule kennen. Chris und Olli. Ihre Liebe gehört dem Laufen. Alles, aber wirklich alles, was damit zu tun hat, das mögen sie. Und sie fördern den Laufsport, auf unaufgeregte Art und Weise.

Nichts zu gewinnen, aber jede Menge Liebe zur Bewegung

Zwei Lauftreffs bieten sie in der Woche an. Einer startet jeden Donnerstag an der U-Bahn Station Alt-Tegel. Ein Lauf für Frauen, von Frauen. Ebenfalls Donnerstags am Ku’damm, der Lauftreff für alle. Und immer sind zwei ausgebildete Coaches dabei, immer gibt es Ernährungstipps, Spaß, Bewegung, Leben. Sexy eben. „Es ist egal, wie lang man laufen kann. Es ist egal, ob man Anfänger ist oder nicht, wir sind da. Und jeder ist willkommen. Okay, bei uns gibt es – wie bei anderen Running Clubs in vielen großen Städten, organisiert von großen Sportherstellern – nichts zu gewinnen, keine Rabatte, keine Free Goods, aber jede Menge Liebe zur Bewegung. Jeder wird aufgenommen, keiner allein gelassen. Und Olli verrät sogar seine Rezepte, wie man eigene Power-Riegel herstellen kann“, sagt Chris.

Wissen Sie, so wie Chris, so sind wir Läufer. Wir sind da! Und wir nehmen die auf, die wollen. Den Rest erledigen wir dann schon zusammen. Running Clubs wie die Flitz-Piepen gibt es in jeder Stadt, in jedem Ort, in jedem Dorf. Alles, was Sie tun müssen, ist, den Anfang machen. Also Berlin, steh auf. Schmeiß den Tracker weg. Beweg Dich. Werde endlich sexy. Werde eine Flitz-Piepe. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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