Kolumne: So läuft es : Bewegung ist das Medikament

Unser Kolumnist hatte 50 Kilo Übergewicht und rauchte 30 Zigaretten am Tag. Vor fünf Jahren fing er an zu laufen. Heute geht es ihm besser.

Ein Jogger vor dem Aufgang der Sonne.
Ein Jogger vor dem Aufgang der Sonne.Foto: picture alliance / dpa

Als ich vor fünf Jahren wieder mit dem Laufen begann, hatte ich eine Mission: gesund werden. Die Ärzte bescheinigten mir eigentlich ganz gute Werte. Obwohl ich 50 Kilo Übergewicht hatte, täglich 30 Zigaretten rauchte und unfassbar viel Zucker zu mir nahm. Tief in mir schlummerte ein Funken Energie und Wille. Und noch viel deutlicher sagte mir mein Unterbewusstsein: Mach so weiter und Du stirbst. Am meisten Angst hatte ich zu diesem Zeitpunkt vor Lungenkrebs und Diabetes Typ 2.

Die Zuckerkrankheit entsteht unter anderem, wenn der Lebensstil die Erkrankung fördert. Besonders gefährdet sind Menschen mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Denn Fettgewebe und verminderte Muskelmasse beeinflussen den Zuckerstoffwechsel negativ. Bei Männern konnte zudem nachgewiesen werden, dass das Rauchen entscheidend zur Krankheit beitragen kann.

Ich aß wie ein Diabetes Typ 2-Mann, ich rauchte wie ein Diabetes Typ 2- Mann. Ein giftiger Mix. Damit war ich durchaus nicht alleine. In Deutschland leiden beinahe acht Millionen Menschen an dieser Form der Zuckerkrankheit, jeder zehnte Euro wird von den Krankenkassen für Typ 2- Patienten ausgegeben. 2009 und 2010 haben die Kassen jeweils 16 Milliarden Euro für die Versorgung dieser Patienten ausgegeben.

Pro zuckerkrankem Mensch sind das circa 5000 Euro im Jahr. Ein erheblicher Teil der Kosten geht dabei für Medikamente drauf. Frankreich, Mexiko und Großbritannien haben auf ihre Art und Weise reagiert. Sie führten eine Zuckersteuer ein. Eine Erziehungsmaßnahme, die allerdings zu guten Ergebnissen führte.

„Was ist Dein Geheimnis? Warum bist Du so unfassbar fit?“

Ich möchte Ihnen den erhobenen Zeigefinger ersparen, der gerade mir sowieso nicht zusteht. Ich will Sie nicht mit weiterem Zahlenwerk langweilen oder Ihnen meine Geschichte von dick zu dünn erzählen. Gerne mag ich Ihnen von Onkel Helmut berichten, dem älteren Bruder meiner verstorbenen Großmutter. Ich traf ihn vergangene Woche. Onkel Helmut ist 91, er brach sich vor drei Jahren den Oberschenkel. Für viele Menschen in seinem Alter bedeutet das oft nichts Gutes. Wenige erholen sich davon. Onkel Helmut und ich werden im April wandern gehen, durch den Westerwald. „Was ist Dein Geheimnis? Warum bist Du so unfassbar fit?“, fragte ich ihn.

„Ich bin immer gelaufen. Immer. Wie Du. Ich habe stets auf meine Ernährung geachtet. War immer an der frischen Luft, habe den Garten selbst gepflegt, bis heute“, sagte er. „Und ich habe nie Pillen genommen, wenn es nicht dringend sein musste. Das Auto habe ich nur für den Urlaub benutzt. Sonst bin ich mit dem Fahrrad gefahren, oder eben gelaufen.“ Onkel Helmut wird erst jetzt sein Wohnmobil verkaufen, das er noch bis letztes Jahr fuhr. Und ich verrate Ihnen noch ein kleines Geheimnis: Es läuft bei Onkel Helmut. Den Oberschenkel brach er sich unter Dusche, er rutschte aus. Er war nicht alleine unter der Dusche.

Bewegen Sie sich, laufen Sie, stopfen Sie nicht einfach alles in sich hinein. Werden Sie so alt wie Onkel Helmut. Und duschen Sie. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben