Kolumne: So läuft es : Versicherungen sollten Läufer mehr belohnen

Wann machen Krankenversicherungen endlich ernst, fragt unser Kolumnist. Sie müssten den gesunden Lebensstil von Läufern wesentlich mehr honorieren.

von
Fitness-Armbänder können Herzfrequenz, Kalorienverbrauch oder Schrittzahl messen. Fast jeder dritte Deutsche nutzt inzwischen solche "Wearables".
Fitness-Armbänder können Herzfrequenz, Kalorienverbrauch oder Schrittzahl messen. Fast jeder dritte Deutsche nutzt inzwischen...Foto: Michel Winde/ dpa

Die Idee ist nicht neu. Krankenversicherungen verschaffen sich umfangreich Daten von ihren Kunden, die diese auch noch freiwillig hergeben. Der „Lohn“ dafür ist eine Vergünstigung des Versicherungstarifs. Damit das alles nicht auffällt, besteht die Versicherung auf einen Nachweis, dass sich der Kunde ausreichend bewegt. Das Rechenbeispiel der Versicherung, die derzeit in allen Medien damit wirbt, ist gnadenlos.

Bis zu 1 Prozent Ersparnis im Jahr

Läufer, festhalten! Wer per Schrittzähler mindestens 7000 Schritte pro Tag nachweisen kann, bekommt drei Punkte. Neun Punkte muss man machen, dann gibt es einen Gutschein für einen Café Latte bei Starbucks. Wow! Ist das nicht super? Es kommt noch viel besser. Sammelt man regelmäßig Punkte, erreicht man die nächsthöhere Kategorie und kann vom Bronze-, zum Silber-, zum Gold-, ja bis zum Platinkunden aufsteigen. Besonders aktive Kunden können ihre Prämien so bis zu ein Prozent pro Jahr verringern. Natürlich soll man auch nachweisen, dass man im Fitnessstudio aktiv ist, dass man sich gesund ernährt, dass man einen aktiven Lebensstil führt – für 40-60 Euro im Jahr Ersparnis bei der Krankenkasse.

Nie wurde so viel Sport getrieben

Wann machen Krankenkassen eigentlich wirklich ernst? Wann honorieren sie denjenigen, der sich regelmäßig bewegt, ohne einfach nur auf die billige Tour an Daten zu kommen? Und warum schützt man im Umkehrschluss nicht chronisch Kranke oder alte Menschen vor solchen „Angeboten“?

Denn wenig aktive Menschen müssen bis zu zwei Prozent mehr pro Jahr bei diesem Modell bezahlen. Laut Statistik gibt es in Deutschland alleine 20 Millionen Läuferinnen und Läufer. Nie wurde auf der einen Seite so viel Sport getrieben wie in den letzten Jahren.

Alleine unter den Läufern entwickelt sich seit einiger Zeit immer mehr der Gesundheitsaspekt des Laufens. Es geht nicht mehr so sehr um Zeiten. Es geht mehr und mehr um den Körper. Wer läuft, läuft oft nicht nur.

Gesundheitskasse statt Krankenkasse

Der moderne Läufer tut etwas zur Stabilisation des Körpers, betreibt ausgleichende Sportarten, ernährt sich bewusst. Immer weniger Läufer rauchen, vielen hat der Sport geholfen, um dem Teufelskreis des blauen Dunstes zu entfliehen. Das Laufen hilft Menschen mit Depressionen und anderen schweren Krankheitsbildern. Man könnte hier eine ganze Agenda aufschreiben. Daher:

Liebe Krankenversicherer, auf ein Wort! Fangt bei Euch selbst an. Benennt Euch erstmal um. Von Krankenkasse in Gesundheitskasse. Dann: Wir sind sowieso alle gläsern. Wir teilen sowieso alle unsere Laufdaten freiwillig. In den sozialen Netzwerken, auf Plattformen der Hersteller von Wearables und Gadgets. Bezahlt jedem – der will – sein Lieblingsgadget. Starbucks-Gutscheine tauscht Ihr gegen einen freien Besuch beim Physiotherapeuten. Kinogutscheine gegen ein Sixpack stilles Wasser. Und wer es zum Premium-Kunden schafft, der spart bis zu 50 Prozent des Jahresbeitrags. Und damit die Alten und chronisch Kranken gut versorgt werden, begnügen wir Premium–Member uns mit 40 Prozent und geben 10 Prozent ab. Es kann so einfach sein. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

Autor

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben