Kolumne: So LÄUFT ES : Ich bin dann mal da

Keine Besserwisserei, keine Marathonpläne, keine Ernährungstipps. Dafür Texte über Laufwunder, die jeden Tag passieren. Unsere neue Laufkolumne, ab sofort jeden Donnerstag.

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"Seit ich laufe, habe ich mir die Stadt erlaufen." In Berlin kann man fast überall joggen, zum Beispiel am frühen Morgen im Tiergarten.
"Seit ich laufe, habe ich mir die Stadt erlaufen." In Berlin kann man fast überall joggen, zum Beispiel am frühen Morgen im...Foto: picture alliance / dpa

Ungefähr 19 Millionen Deutsche laufen regelmäßig – in Parks, auf Sportplätzen, im Wald, durch die Stadt. Seit vier Jahren gehört auch Mike Kleiß zu ihnen. Vorher wog er fast 50 Kilo mehr als heute. Seit drei Jahren schreibt er über das Laufen. Von dieser Woche an im Tagesspiegel.

Es fühlt sich ein bisschen so an wie damals, als meine Eltern umziehen mussten. Ich kam in der neuen Stadt in eine neue Schulklasse. Und stellte mich erst einmal allen anderen Schülern vor. So ist es heute wieder. Nur liegen ungefähr 35 Jahre dazwischen. Der Unterschied ist: Dieses Mal freue ich mich darüber, dass wir uns kennenlernen. Und zwar sehr, lieber Tagesspiegel. Gestatten, Mike Kleiß, Laufkolumnist.

Ich laufe jeden Tag. Zwischen 18 und 20 Kilometer. Ich lebe in Köln – und liebe Berlin. Berlin und ich, wir hatten lange Zeit eine komplizierte Beziehung. Mir war es lange zu laut, zu groß, und ich fühlte mich oft lost. Seit ich laufe, habe ich mir die Stadt erlaufen. Ich bin oft beruflich in Berlin, und immer suche ich mir neue Laufstrecken, meist mitten durch die Stadt. Ich laufe mit Freunden und Kollegen, die mir ihr Berlin beim Joggen zeigen. Sie erzählen mir dann, was sie mit Berlin verbindet. Und sie erzählen mir, was es Neues gibt und was sie beschäftigt. Das Laufen verbindet. Menschen und Städte. Das ist ein Grund, warum ich diesen Sport so liebe. Und darüber schreibe.

Deutschland braucht nicht noch einen Experten mehr

Deutschland ist ein Land der Experten. Als ich begann über das Laufen zu schreiben, war mir klar: Deutschland braucht nicht noch einen Experten mehr. Schon gar keinen, der beim Thema Laufen alles besser weiß. Auch davon gibt es genug. Sie werden in dieser Kolumne keine Marathonpläne finden. Sie werden nicht darüber belehrt, wie Sie sich ernähren müssen. Und Sie werden nie lesen, welche Laufschuhe die besten sind. Sie werden von Laufwundern erfahren, die jeden Tag passieren, wenn man läuft. Sie werden von Begegnungen lesen, die rührend, bewegend, spaßig und nachdenklich sind. Begegnungen, wie sie nur beim Laufen passieren.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt nun wöchentlich beim Tagesspiegel übers Laufen.
Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt nun wöchentlich beim Tagesspiegel übers Laufen.Foto: Repro/Tsp

Sie werden mehr über die Magie des Laufens von einem Läufer erfahren. Nicht von einem Experten. Und wenn dadurch auch nur einer von Ihnen anfängt zu laufen, um sich etwas Gutes zu tun, oder wieder Motivation bekommt um erneut einen Anfang zu machen, dann ist das Ziel dieser Kolumne erreicht. Und wenn ich durch Berlin laufe, freue ich mich über jeden, der einfach mitläuft.

"Stop! Nicht denken, heute mal nur Herz!“

Wir haben für diese Kolumne den Donnerstag ausgewählt, damit Sie vielleicht ein neues Ritual pflegen können. Donnerstags diese Laufkolumne lesen, sich einen Happen Motivation abholen, und schon heute, spätestens am Wochenende einfach loslaufen. Lassen Sie es uns doch wie Hape Kerkeling machen der, als er sich auf den Jakobsweg machte und vor 800 Kilometern Fußweg stand, sagte: „Ich versuche jetzt mal, meinen Kopf abzuschalten. Klick, ich mache ihn jetzt aus. Stop! Nicht denken, heute mal nur Herz!“ Und weil für mich das Laufen eine Herzenssache ist, rufe ich Ihnen zu: „Mike Kleiß, Laufkolumnist. Sehr angenehm. Lassen Sie uns übers Laufen reden. Ich bin dann mal da!“ So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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