Sport : Kombinierer und Perfektionist

2005 war das Jahr des Ronny Ackermann – jetzt wurde er zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt

Benedikt Voigt

Berlin - Als Ronny Ackermann am Abend des 27. Februar auf dem Podium der Eissporthalle Oberstdorf saß, wusste der Kombinierer bereits, wie die vergangenen elf Tage einzuordnen sind. „Das war die Weltmeisterschaft meines Lebens“, sagte er, „diese Momente werden mein Leben immer prägen.“

Gestern in Baden-Baden erhielt Ronny Ackermann die Bestätigung für seine Einschätzung. Der Wintersportler bekam die Trophäe als Deutschlands Sportler des Jahres 2005 für jene Leistung überreicht, die er im Februar in Oberstdorf bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften vollbracht hatte. Dort ersprang und erlief sich der 28-Jährige zwei Weltmeistertitel in der Nordischen Kombination, zudem verhalf er der deutschen Staffel zu einer Silbermedaille. Eine Bilanz, die ihn selber erstaunt hat. „Das ist nicht mehr zu toppen“, sagte der Thüringer. Fast im Alleingang hat er seine Randsportart in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Es ist nicht so, dass Ronny Ackermann vor den denkwürdigen Tagen von Oberstdorf keinen Erfolg in seiner Sportart gehabt hätte. Von der WM 2003 in Val di Fiemme kehrte er mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen nach Hause, bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City durfte er sich zwei Silbermedaillen umhängen. Doch in Oberstdorf rettete er mit seinen spektakulären Erfolgen auch noch die Bilanz des Deutschen Skiverbandes (DSV). Vier von sieben Medaillen holten die Athleten des Kombinations-Bundestrainers Hermann Weinbuch. Unvergessen, wie dieser beim Zieleinlauf über 15 Kilometer in sein Funkgerät schrie. „Egal, egal – der Acker vorm Kirchi.“

Nicht nur den Bundestrainer hatte die Dramatik auf den letzten Metern des Langlaufes begeistert. Ronny Ackermann hatte beim letzten Anstieg eine Lücke zu beiden Führenden aufreißen lassen, „damit ich für die Abfahrt Schwung holen konnte“. Bei der Abfahrt überholte er erst seinen Teamkameraden Björn Kircheisen und dann auch noch den Österreicher Felix Gottwald. Im Gegensatz zu seinem großen Rivalen, dem Finnen Hannu Manninen, der in Oberstdorf keine Medaille gewann, hat Ronny Ackermann bewiesen, dass er dem Druck bei Großereignissen gewachsen ist. „Mein eigener Druck ist noch größer als der von außen“, sagt er. Tatsächlich hat sich der Sportsoldat aus Unteralba in den letzten Jahren vom schlampigen Talent zum ehrgeizigen Perfektionisten gewandelt. Doch der Ehrgeiz hat auch seine Kehrseite.

Vor drei Wochen fühlte er sich beim Weltcup in Lillehammer von Manninen im Langlauf kurz vor dem Ziel unfair behindert – und rächte sich: Er schlug im Ziel mit seinem Langlauf-Stock den am Boden liegenden Finnen und fügte ihm eine Schramme und einen Bluterguss zu. Dieser Blackout dürfte seinen persönlichen Tiefpunkt des Jahres 2005 bilden. Schon am nächsten Tag entschuldigte er sich auf seiner Homepage: „Mir sind die Gäule durchgegangen.“ Am Freitag haben sich beide in Ramsau versöhnt, beim anschließenden Weltcup kam Ackermann auf Platz zwei. Es war sein bestes Resultat in der aktuellen Wintersaison und weckte die Hoffnung darauf, dass das Jahr 2006 womöglich mit dem nächsten Höhepunkt seiner Karriere aufwarten könnte: bei den Olympischen Winterspielen in Turin.

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