Sport : Komm doch mal rüber

DFB-Frauen beziehen ihr EM-Trainingslager.

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Auswärts zu Hause. Anja Mittag spielt im EM-Gastgeberland Schweden. Foto: dpa
Auswärts zu Hause. Anja Mittag spielt im EM-Gastgeberland Schweden. Foto: dpaFoto: dpa

Köln - Ihren Terminplan für die Zeit nach der Europameisterschaft hat Anja Mittag genau im Kopf. „Das nächste Spiel“, weiß die deutsche Nationalspielerin in Diensten des schwedischen Erstligisten Malmö, „wäre am 3. August.“ Also gerade einmal sechs Tage nach dem Finale in Solna. Sechs Tage Erholung? Das ist wenig ", sagt Mittag, die am Sonntagvormittag mit den siebenmaligen Titelträgerinnen aus Deutschland nach Växjö ins erste Teamquartier abflog. „Aber das nimmt man gerne in Kauf, wenn man eine EM spielen kann“, ergänzt Mittag. Erst Recht bei ihrer Vorgeschichte.

Bei der Heim-WM 2011 war die 28-Jährige noch kurz vor dem Turnierstart aus dem Kader gestrichen worden. Jetzt ist sie ebenso mit von der Partie wie Antonia Göransson, die für Mittags früherer Klub Potsdam kickt und die im Vergleich zur deutschen Angreifern den umgekehrten Weg gegangen ist. Die gebürtige Stockholmerin wechselte nach der U-20-WM vor drei Jahren in Deutschland von ihrem Klub Kristianstads DFF in die Bundesliga. Zunächst nach Hamburg, ein Jahr später dann zu Turbine. Wobei sie bei ihrem Wechsel einen persönlichen Magneten hatte.

„Damals“, erzählt Göransson, „spielte Birgit Prinz noch in Frankfurt und im Nationalteam – und da war für mich klar: Okay, ich muss nach Deutschland.“ Ein seltenes Ereignis, denn der sportliche Austausch zwischen den beiden – neben Frankreich – führenden Frauenfußballnationen Europas findet nicht wirklich statt. „Keine Ahnung warum“, sagt Göransson und hebt die Schultern. „Die schwedische Liga ist gut, deshalb haben unsere Spielerinnen vielleicht nicht das Gefühl, das Land verlassen zu müssen.“

Aus fußballerischer Sicht allerdings empfiehlt Mittag den Skandinavierinnen eine Fortbildung in der Bundesliga. „Generell finde ich, dass wir in Deutschland die besser ausgebildeten, kompletteren Spielerinnen haben. Wir sind technisch sehr versiert und spielen auch den disziplinierteren Fußball“, betont Mittag, die bereits zum zweiten Mal in der schwedischen Liga absolviert. „Dafür sind die Schwedinnen aggressiv und physisch sehr stark. Ihre Liga gehört für mich zu den besten drei in Europa.“

Antonia Göransson will da gar nicht widersprechen – sie jedoch trieb vor allem die von November bis April dauernde Vorbereitungszeit in Schweden außer Landes. „Das ist viel zu lang ohne richtigen Fußball“, erklärt die 22-Jährige, die finanziell keinen Unterschied zwischen einem Engagement in Schweden oder Deutschland sieht. Die Bundesliga sei vom Leistungsniveau her nur einen Tick besser, sagt Göransson. „Und prinzipiell wollte ich einfach mehr Fußball haben“.

Dieser Wunsch steht ganz im Gegensatz zu jenem der meisten Kolleginnen in der Heimat. Anders als in Deutschland, wo viele Nationalspielerinnen nach ihrer Karriere vom Strafraum in die Coaching Zone übersiedeln, gibt es im Land des EM-Gastgebers so gut wie keine Ex-Stars in wichtigen Trainerpositionen. Lediglich eine Frau bildet die große Ausnahme: Pia Sundhage.

Die 146-malige schwedische Nationalspielerin, die die US-Frauen 2008 und 2012 zum Olympiasieg führte, ist seit sieben Monaten für die „Damlandslaget“ um Superstar Lotta Schelin verantwortlich. „Zu Ligaspielen in Schweden kommen vielleicht 500 oder 600 Leute. Aber im Nationalteam“, erzählt Antonia Göransson und hebt dabei die Stimme, „haben wir jetzt Pia. Sie hat etwas an sich, das die Menschen kommen lässt. Alles ist jetzt größer bei uns, auch das Medieninteresse. Und vielleicht ändert sich ja gerade etwas, auch langfristig.“ Andreas Morbach

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