Sport : „Komm, spiel, hierher!“

Schreiende Profis, fehlende Fans: Aachens Sieg gegen Nürnberg

Ingo Petz

Aachen. Die wilde Ekstase trug Orange, auf der Tribüne der Gäste, nachdem Aachens Neuzugang Bachirou Salou die Alemannia kurz vor Schluss zum 3:2-Sieg gegen den 1.FC Nürnberg geschossen hatte. 20 Ordner in orangefarbenen Leibchen hüpften auf dem grauen Stehplatz-Beton vor der Schwärze der Nacht auf und ab und sangen vom Sieg und von Platz eins. Alemannia Aachen war soeben in die Fußballgeschichte eingegangen – als Herbstmeister der Zweiten Liga mit vierwöchiger Verspätung.

Der 1. FC Nürnberg hatte auch das Spiel im November verloren (0:1). Damals hatten Aachener Fans Gegenstände geworfen. Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf war von einem Feuerzeug getroffen worden und musste mit einem Kreislauf-Kollaps in der Kabine bleiben. Der DFB verfügte daraufhin ein Wiederholungsspiel ohne Zuschauer.

Im ersten so genannten Geisterspiel des deutschen Profifußballs ging nichts von der taktisch wichtigen Feld-Kommunikation im sonst üblichen Stadion-Lärm unter. Die Spieler riefen: „Hey, hey“ und „Jaaaa, jaaa“, „Komm, spiel, hierher!“. Von den Trainern (zumeist Nürnbergs Wolf, Jörg Berger blieb im Schutz der Bank stumm) war zu hören: „Rückraum!“ und „Pass doch“ und „Oh, nein, oh, Gott!“ Und von der Ehrentribüne, die mit rund 100 Journalisten und einigen Alemannia-Funktionären besetzt war, kamen die wichtigsten Tipps: „Gut, Williiii!“ und „Toll, Williiii!“ oder „Komm doch, Williiii!“

Gemeint war Willi Landgraf, der nach dem Spiel ohne Zuschauer froh, dass alles vorbei war. „Ich hoffe, so etwas wird es nie mehr geben. Dem Fußball bringt das gar nichts.“ Aber wirklich geschadet hat es ihm auch nicht. Denn bis auf die erste Viertelstunde, in der Aachens Trainer Berger das Gefühl hatte, er sei in einem Trainingsspiel, ging es zügig hin und her. Nach nur zehn Minuten waren drei Tore gefallen. Nürnberg führte 2:1. Noch vor der Halbzeit fiel der Ausgleich. „Ein Spiel, das Zuschauer verdient gehabt hätte“, sagte Berger hinterher.

Während einige Aachener Funktionäre schrien: „Die Gerechtigkeit hat gesiegt!“, wollte Aachens Manager Jörg Schmadtke davon nichts wissen. „Es gab zwei Spiele! Wir habe beide gewonnen. Das war’s!“

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