Sport : Kommen 2006 die Stars der Straße?

Neue Pläne für das Berliner Sechstagerennen

Hartmut Moheit

Berlin - Mit seiner großen Statur und den schlohweißen Haaren kann sich Heinz Seesing in der Masse nicht so leicht verstecken. Normalerweise hat der Chef des Berliner Sechstagerennens damit auch keine Probleme – bis zum vergangenen Samstag. „Hätte ich da ein Loch unter dem Stuhl gehabt, wäre ich bestimmt reingesprungen“, sagt der 67-Jährige. Der als Weltstar groß angekündigte Brite Tony Christie war von den Fans wegen seines höchstens mittelmäßigen Auftritts von der Showbühne gebuht worden, und der Chef fühlte sich für diesen Eklat im Velodrom mitverantwortlich. „Das zeigt mir, dass wir auch nach neun Sechstagerennen seit 1997 jede Entscheidung genau durchdenken müssen. Das Publikum hat das Recht auf eine erstklassige Veranstaltung“, sagt Heinz Seesing.

Christies Auftritt blieb der einzige Misston – im wahrsten Sinne des Wortes – bei den 94. Sixdays in Berlin. 75000 Fans sorgten vom vergangenen Donnerstag an bis zum letzten, entscheidenden Sprint in der vergangenen Nacht für eine solche Stimmung, dass die Fahrer gar nicht anders konnten, als voll auf Angriff zu fahren. Die Berliner Bartko/Fulst, die Schweizer Risi/Betschart, die Holländer Slippens/Stam und Kappes/Beikirch aus Köln und Titz boten dem Publikum eine Show nahe der Perfektion. Es wird schwer für Heinz Seesing und seine Crew, dieses Niveau bei der nächsten Veranstaltung noch zu steigern. „Aber genau das wollen wir“, verspricht Seesing.

Die Anwesenheit von Wolfgang Strohband, den Manager von Jan Ullrich, weist schon in die Richtung, wohin die Überlegungen gehen. Zwar werden Ullrich und andere Stars des Straßenradsports nicht das Sechstagerennen fahren, aber ein Omnium im Rahmenprogramm wäre ja auch schon etwas. In diesem Mehrkampf, bestehend aus Wettbewerben wie Ausscheidungsfahren, Sprint, Verfolgung, Zeitfahren und Dernyrennen, wären die Profis dann zu bewundern, und das 95. Sechstagerennen hätte ein besonderes Glanzlicht. Schließlich gibt es im kommenden Jahr ein kleines Jubiläum: Das Sechstagerennen vom 26. bis 31. Januar 2006 ist das zehnte seit der Wiederbelebung der traditionsreichen Veranstaltung, die zuvor im Sportpalast und in der Deutschlandhalle über die Bühne gegangen war.

Mit dem Belgier Patrick Sercu, der mit 88 Siegen bei 223 Sechstagerennen eine lebende Legende ist, hat Seesing auch diesmal wieder viel über die Zukunft der Sixdays diskutiert. Für Sercu ist Berlin „die Mutter aller Sechstagerennen“. Wie die Organisatoren aus Mängeln lernen, konnte Patrick Sercu im Velodrom erleben. Eine neue Anzeigetafel, stärkeres Licht und die Möglichkeit zur Lautstärke-Messung beeindruckten auch ihn. „Wenn die Lautstärke bei maximal 90 Dezibel bleibt, können sich die Leute noch unterhalten“, sagt Seesing. Nur einmal war es lauter, am Samstag, aber daran wird Heinz Seesing nicht so gern erinnert.

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