Kommende Aufgaben : Hertha: Erst Bayern, dann Benfica

Hertha BSC geht die nächsten Aufgaben in der Bundesliga und in der Europa League bemerkenswert forsch an.

Sven Goldmann
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Eins aus zwei. Bayerns Luca Toni wird am Samstag nicht spielen, doch Herthas Arne Friedrich (rechts) dürfte dabei sein. Foto: ddpddp

Berlin - Lissabon also. Diesmal nicht Sporting, sondern Benfica. Ein attraktives Los, das Hertha BSC da in der Play- off-Runde der 32 besten Mannschaften der Europa League gezogen hat, doch die Reaktionen auf Berliner Seite fielen eher verhalten aus. Mannschaftskapitän Arne Friedrich sagt, er hätte sich lieber Juventus Turin gewünscht, „gegen Benfica haben wir ja schon einmal im letzten Jahr gespielt“. Trainer Friedhelm Funkel findet, „wir haben eine gute Chance, die nächste Runde zu erreichen“. Und auch Gojko Kacar, am Mittwoch Schütze des siegbringenden Tores über Benficas Stadtrivalen Sporting, glaubt, „dass die Aufgabe auf jeden Fall lösbar ist“. Der Sieg am Mittwoch über Sporting Lissabons bessere Reservemannschaft hat anscheinend reichlich Serotonin ausgeschüttet zur Steigerung des Selbstbewusstseins in den Berliner Köpfen.

Man könnte es sich einfach machen und behaupten, Benfica profitiere vor allem von einem großen Namen, der so gar nicht zu den bescheidenen Vorstellungen in der Gegenwart passe. Der Gewinn der bislang letzten Meisterschaft liegt fünf Jahre zurück. In dieser Saison aber spielt die Mannschaft im Estadio da Luz so dominant auf wie schon lange nicht mehr. Im Campeonato Nacional liegt Benfica nach 13 Spieltagen punktgleich mit dem SC Braga auf Platz eins, zwölf Punkte vor der lokalen Konkurrenz von Sporting.

Benficas größte Attraktion ist immer noch Mittelstürmer Nuno Gomes, der zwar aus Porto kommt, aber schon seit zwölf Jahren für Benfica spielt, abgesehen von einem zweijährigen Abstecher nach Florenz. In Portugal erlangte der Mann mit der langen Mähne Heldenstatus, als er 2004 bei der Europameisterschaft im eigenen Land zum 1:0 über Spanien traf und damit den ungeliebten Nachbarn aus dem Turnier schoss. Mittlerweile ist er 33 Jahre alt und im Angriff oft nur zweite Wahl hinter dem Argentinier Javier Saviola und dem Paraguayer Oscar Rene Cardozo, der auf 14 Tore in zwölf Ligaspielen kommt.

Cardozo und Gomes waren schon dabei, als Hertha im Oktober 2008 im Olympiastadion gegen Benfica spielte, damals noch im Uefa-Cup. Eine Viertelstunde vor Schluss schoss Marko Pantelic das Tor zum 1:1-Endstand. Für Benfica war es der einzige Punkt im gesamten Wettbewerb, Hertha schaffte noch ein 0:0 in Charkow, aber am Ende schieden beide Mannschaften aus. Immerhin das wird diesmal nicht passieren. Im Falle einer Qualifikation für das Achtelfinale hätte es Hertha mit dem FC Kopenhagen oder Olympique Marseille zu tun.

Die Nachricht von der bevorstehenden Reise nach Portugal erreichte Herthas Delegation kurz vor der Abreise nach München, wo es am Samstag zum Abschluss einer missratenen Bundesliga-Vorrunde gegen den FC Bayern geht. Das ist jene Mannschaft, die zuletzt fünfmal hintereinander gewonnen und gerade Arne Friedrichs Wunschgegner Juventus mit 4:1 aus dem Stadio Delle Alpi gefegt hat. Funkel sagt über die Bayern, sie wären zwar ein anderes Kaliber als Sporting Lissabon und hätten mittlerweile auch ihren Rhythmus gefunden. „Aber zu Hause tun sie sich schwer, das hat man in den letzten Spielen gesehen. Wenn wir hinten kompakt stehen und vorne ein paar Nadelstiche setzen, dann haben wir eine Chance.“

Das sind bemerkenswert forsche Töne für eine Mannschaft, deren letzter Sieg in der Bundesliga viereinhalb Monate alt ist und die nur deshalb nicht als Tabellenletzter bis zur Rückrunde überwintern wird, weil es mit der Rückrunde schon mitten im Winter weitergehen wird. Beim FC Bayern äußern sie sich denn auch nicht ganz so wohlwollend über die Berliner, wie es deren Hochgefühl nach dem Einzug in die Europa-League-Play-offs entspricht. Stürmer Ivica Olic, der im Herbst 1998 mal in zwei Bundesligaspielen für Hertha stürmte, lässt über den samstäglichen Gegner ausrichten: „Hertha ist zurzeit nicht unser Niveau.“

Dieses Niveau hat schon eher der AC Florenz, mit dem sich die Bayern im Achtelfinale der Champions League auseinandersetzen müssen. „Eine typische italienische Mannschaft, gut organisiert, mit einem guten Trainer und einem Weltstar Adrian Mutu“, sagt Trainer Louis van Gaal, aber „wir haben Juventus geschlagen und ich denke, dass die Spieler dieses Vertrauen mitnehmen werden.“ Die vergangenen vier Heimspiele gegen Hertha hat der FC Bayern allesamt deutlich mit einer Gesamttordifferenz von 15:4 gewonnen.

Einiges spricht dafür, dass Arne Friedrich seine Leistenbeschwerden so weit unter Kontrolle hat, dass er in München ein Comeback in der Innenverteidigung geben kann. Auch der lange Zeit verletzte Florian Kringe zählt wie gegen Sporting zum Kader, wird aber erst einmal auf der Bank sitzen. Im Mittelfeld fehlen die gesperrten Gojko Kacar und Patrick Ebert. Dafür ist der Brasilianer Raffael wieder dabei.

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