Kommentar : 1860 München: Zukunft ohne Scheich

Nach nicht einmal zwei Jahren bei 1860 München ist der jordanische Investor Hasan Ismaik wieder auf dem Absprung - von den großen Plänen sind nur geplatzte Träume geblieben. Der Traditions-Chaosklub muss nun zeigen, dass er seine Lehre daraus gezogen hat.

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Viel Schatten, wenig Licht: Von der Ära Ismaik hat man sich bei 1860 München mehr versprochen.
Viel Schatten, wenig Licht: Von der Ära Ismaik hat man sich bei 1860 München mehr versprochen.Foto: dpa

Im Mai 2011 klang der Name Hasan Ismaik noch nach Hoffnung. Damals stieg der Jordanier beim Zweitligisten TSV 1860 München ein und rettete den hoch verschuldeten Fußball-Zweitligisten vor der Pleite. Ismaik hatte große Pläne mit 1860, ein neues Stadion wollte er bauen, ein neuer Trainer sollte her, am besten der frühere englische Nationalcoach Eriksson, auch ein neues Präsidium wollte er installieren.

Vorgestellt hat sich Ismaik wohl so etwas wie in Paris. Dort ist der jahrelang dahinwelkende Club St. Germain 2011 von der Firma Qatar Sports Investment (QSI) übernommen und mit Ölmillionen von Grund auf umgebaut worden. Unter dem neuen PSG-Präsidenten Nasser Al-Khelaifi mischt nun eine teure Weltauswahl die Champions League auf. Auch im Handball klotzt PSG, wie die Verpflichtung des Welthandballers Daniel Narcisse vom THW Kiel zeigt.

International ist das Modell derzeit schwer angesagt, von Chelsea bis Manchester, von Donezk bis Malaga hat sich der meist fachfremde Großinvestor aus erdölfördernden Ländern längst zur spielentscheidenden Figur entwickelt. Hierzulande steht man dem Fremdkapital eher reserviert gegenüber, deswegen gibt es die 50+1-Regelung im deutschen Fußball, die dem Verein stets die Stimmenmehrheit lässt. Dass dies der richtige Weg ist, wird sich spätestens dann zeigen, wenn die Scheichs und Oligarchen das Interesse an ihren Spielzeugen wieder verlieren.

Einen kleinen Vorgeschmack diesbezüglich erhält nun 1860 München. Der vermeintliche Heiland Ismaik ist nach unschönen Machtkämpfen schon wieder auf dem Absprung, weil der Klub nicht so wollte wie er. Das ist einerseits eine gute Nachricht für den Verein, der sich seine Eigenständigkeit bewahrt hat. Andererseits ist 1860 München nun auch wieder ganz auf sich allein gestellt. Der Traditions-Chaosklub muss nun zeigen, dass er seine Lehre aus den vergangenen beiden Jahren gezogen hat. Und das tun, was dauerhaft zum Erfolg führt: vernünftig wirtschaften.

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