Kommentar : Alemannia Aachen: Tolerierte Misswirtschaft

Unser Autor Sebastian Stier findet, dass der Dritten Liga mit einem Spielrecht für Alemannia Aachen nicht geholfen war.

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Alemannia Aachen könnte die Dritte Liga bald ziemlich durcheinanderwirbeln. Der Verein will sein Insolvenzverfahren einleiten, sobald der Abstieg feststeht. Die Tabelle würde dann ein völlig anderes Bild bekommen, Auf- und Abstieg nicht mehr ausschließlich auf dem Feld geregelt werden. Doch Aachen ist daraus nichts zwangsläufig ein Vorwurf zu machen. Das Vorgehen der Aachener sieht zwar wenig kollegial aus. Aber es ist gedeckt durch die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Also ist es auch legitim.

Im ersten Moment erscheinen die Vereine als Verlierer, die beim Erreichen ihrer Saisonziele durch eine Aachener Insolvenz benachteiligt werden. Der größte Verlierer ist aber der DFB. Dessen Rolle beim Lizenzierungsverfahren wäre an dieser Stelle kritisch zu hinterfragen. Beim DFB wird seit Jahren sehr genau geprüft, welchen Vereinen die Lizenz für die neue Spielzeit erteilt wird. Die Auflagen sind hoch, Misswirtschaft wird nicht toleriert. Alles mit dem Ziel, ein vorzeitiges, finanziell bedingtes Ausscheiden eines Vereins aus dem laufenden Wettbewerb zu vermeiden. Das ist im Fall von Alemannia Aachen nicht gelungen, obwohl sich der Verein bereits vor einem Jahr in massiven finanziellen Schwierigkeiten befand. Der Lizenz erhielt Aachen trotzdem.

Nun drängt sich die Frage auf, wie es dazu kommen konnte. Hat Aachen beim Einreichen der Unterlagen betrogen oder hat der DFB nicht sorgfältig genug geprüft? Dass Alemannia bereits im Herbst Zahlungsunfähigkeit verlauten ließ, spricht nicht für den DFB und sein Verfahren. Der Dritten Liga war mit einem Aachener Spielrecht jedenfalls nicht geholfen.

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