Kommentar : Anders geht nicht

Stefan Hermanns über das Scheitern des Projekts TSG Hoffenheim. Rangnicks Abschied hat das gesamte Selbstverständnis des Klubs zum Einsturz gebracht.

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Es ist eine nette Pointe der Wirklichkeit, dass ausgerechnet in dieser Woche ein Dokumentarfilm über den scheinbar wundersamen Aufstieg der TSG Hoffenheim in die Kinos kommt. Drei Jahre haben die Arbeiten an dem Film gedauert, die aktuellen Ereignisse aber haben das Werk schon vor seiner Premiere zu einem Historienschinken degradiert. Nichts ist mehr, wie es schien. Mit Ralf Rangnick ist der TSG nicht nur der Architekt des Wunders abhanden gekommen, sein unfreiwillig freiwilliger Abschied hat das gesamte Selbstverständnis des Klubs zum Einsturz gebracht.

Die Hoffenheimer waren geradezu beseelt von der Idee, anders zu sein. Die TSG sollte ein Projekt ohne Vorbild werden, besser, fortschrittlicher und vor allem klüger als der Rest der Fußballwelt. Was haben sie nicht alles erzählt: Dass der Klub eben nicht das Spielzeug eines eitlen Milliardärs ist, der ein paar überschüssige Millionen zuschießt und dafür bestimmt, wo es langgeht. Nein, Dietmar Hopp hat sich natürlich jegliche Einmischung ins Tagesgeschäft versagt. Wer’s geglaubt hat …

Hopp höchstselbst war es, der den Verkauf von Luiz Gustavo zu den Bayern massiv vorangetrieben und Rangnick damit indirekt vom Hof gejagt hat. Man könne dem Brasilianer diese Chance doch nicht verbauen, hatte Hopp gesagt. Wie rührend. Und wie dämlich! Während Rangnick noch um seinen wichtigsten Spieler kämpft, hat Hopp ihn längst zum Verkauf freigegeben. Er ist eben doch nur ein ganz normaler Mäzen, ein Fan, der sich in eine Glitzerwelt eingekauft hat, sich geschmeichelt fühlt, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer zu seinen Freunden zählen zu dürfen, und dessen Ego Polka tanzt, wenn die großen Bayern sich für einen Spieler seines Klubs interessieren. Da kann man doch gar nicht Nein sagen.

Mag sein, dass die Hoffenheimer die Gesetze des Fußballs eine Zeit lang außer Kraft gesetzt haben. Gegen die Gesetze der menschlichen Eitelkeit aber vermögen auch sie nichts auszurichten.

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