Kommentar : Anleitung zum Unfreundlichsein

Michael Rosentritt glaubt nicht an die Kraft von Verboten im Stadion - auch nicht im Fall der Pöbeleien gegen Dietmar Hopp.

Michael Rosentritt

Der Deutsche Fußball-Bund will die Pöbeleien gegen Hoffenheims Mäzen Hopp künftig bestrafen. Seit dem Aufstieg des von ihm großzügig alimentierten Klubs steht der SAP-Gründer im Fadenkreuz der Fan-Kritik. Beinahe aus jedem gegnerischen Fanblock sind Schmähungen zu hören, und zuletzt waren es die Fans von Borussia Dortmund, die besonders geschmacklos auftraten.

Neid und Missgunst spielen eine große Rolle in unserer Gesellschaft, gerade in diesen Zeiten. Im Fall Hoffenheims ist da jetzt jemand, der die 50+1-Regel praktisch umgehen darf. Die Vertreter der Bundesligaklubs haben sich erst jüngst gegen eine Abschaffung dieser Regel ausgesprochen, weil sie eben nicht wollen, dass Machtmehrheiten eines Klubs in die Hände fremder Geldgeber gelangen. Fußballfans unterscheiden nun mal nicht zwischen dem guten Geld (Hopp) und dem schlechten Geld (Abramowitsch).

Fakt ist: Die Schmähungen und Beleidigungen gegen Hopp sind nicht zu rechtfertigen, aber sie gehören leider zum Fußball wie ein Schiedsrichter, der das jedes Wochenende aufs Übelste über sich ergehen lassen muss. Schmähungen und Verunglimpfungen sind Alltag im Fußball und übrigens nicht nur da.

Fakt ist aber auch, dass der DFB sich mit seinem Vorstoß keinen Gefallen getan haben dürfte. Erst recht nicht jenem Menschen, den er eigentlich schützen wollte. Denn was wird passieren? Die Fans werden sich angestiftet fühlen, sie werden kreativer vorgehen. Noch disqualifiziert sich jeder Fußballfan eben selbst.

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