Kommentar : Aus dem Schatten in den Schatten

Mit 38 Jahren hat Andreas Klöden seine Profikarriere in dieser Woche für beendet erklärt. Einfach so, ohne großes Brimborium. Damit ist er sich selbst im Rücktritt treu geblieben, meint unser Autor.

von
Das Nasenpflaster an den Nagel gehängt: Andreas Klöden hat seine Karriere beendet.
Das Nasenpflaster an den Nagel gehängt: Andreas Klöden hat seine Karriere beendet.Foto: Imago

Andreas Klöden soll in seiner Jugend ein lustiger Bursche gewesen sein, einer der sich gern auf Partys herumtrieb und auch sonst wusste, dass Sport und Spaß durchaus zusammenpassen können. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spitzname: wilde Hilde. Im Peloton der Radsportler reichte es später dann nur noch für Hilde, wild war Klöden als Profi eher nicht. Dabei verlebte er in der Ära des Dopings und der Lügen im Radsport turbulente 16 Jahre im Sattel.

Die Schlagzeilen bestimmten dabei zumeist andere. Klöden stand immer im Schatten der Dopingsünder Ullrich, Zabel oder Armstrong, er fuhr mit ihnen zu verschiedenen Zeitpunkten seiner Laufbahn im selben Team. Er war der Edelhelfer, der brav seine Arbeit verrichtete, dem aber selbst der Sieg bei einer Tour de France nicht so recht zugetraut wurde.

Dabei schaffte er es in den Jahren 2004 und 2006 jeweils auf Platz zwei bei der wichtigsten Radrundfahrt der Welt. An die Popularitätswerte seines Freundes Jan Ullrich kam der drahtige Lausitzer aber nie heran. Er blieb in dessen Schatten, auch als sich das deutsche Radsportidol im Dopingsumpf verfing. Klöden stand selbst unter Verdacht, beteuerte aber, nie gedopt zu haben.

Als in der Süddeutschen Zeitung 2008 das Gegenteil behauptet wurde, ließ Klöden seine Anwälte sprechen. Lustig war das längst nicht mehr, in der Folge boykottierte er die deutschen Medien, konzentrierte sich auf seinen Beruf und lebte zurückgezogen mit seiner Familie in der Schweiz. Im Sommer wurde er als Dreißigster noch einmal bester Deutscher bei der Tour de France. Es sollte seine letzte gewesen sein.

Mit 38 Jahren hat Andreas Klöden seine Profikarriere in dieser Woche für beendet erklärt. Einfach so, ohne großes Brimborium. Der Schattenmann ist sich selbst im Rücktritt treu geblieben.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar