Kommentar : Bayern München: Geduld und Langmut - und dann?

Mathias Klappenbach über Jürgen Klinsmann in der Krise.

Mathias Klappenbach

Ein anderes, älteres Wort für Geduld ist Langmut. Es wird heute vor allem dann benutzt, wenn betont werden soll, was der Geduldige so alles auf sich nimmt, wenn er diese Tugend beweist. Die Verantwortlichern beim FC Bayern befinden sich gerade sozusagen in der Übergangsphase von der Geduld zur Langmut.

Ihr neuer Trainer Jürgen Klinsmann hatte einst zwei Jahre Zeit, um ohne Qualifikationsdruck die deutsche Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten, und es gab viel Kritik an ihm in dieser Zeit, nicht nur bei dem inzwischen legendären 1:4 im Test gegen Italien. Doch selbst in diesem Spiel war zu erkennen gewesen, was Klinsmann von der Mannschaft wollte.

Jetzt hat Klinsmann eigentlich gar keine Zeit, weil es jede Woche um Punkte geht. Und es ist nicht zu erkennen, was er will. Er macht Mark van Bommel erst zum Kapitän und setzt ihn dann auf die Bank (was sportlich durchaus nachzuvollziehen ist), stellt dafür den überragenden Innenverteidiger Martin Demichelis ins ungeliebte Mittelfeld, rotiert Taktik und Personal in auch für die Spieler kryptischer Weise und hat – dafür kann er allerdings nichts – auch noch ein Torwartproblem.

Als möglicher Ausweg für Klinsmann erscheint es, Kompromisse an das Tagesgeschäft zu machen und von längerfristigen Planungen abzurücken, um der Mannschaft Stabilität zu geben. Gestern hat er einen ersten Schritt in diese Richtung getan und „harte Wochen“ angekündigt. Wenn das nichts hilft, bleibt die Frage, was eigentlich nach Langmut kommt.

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