Kommentar : Beckerfaust und Sägespäne

Boris Becker hat das deutsche Tennis geprägt. Das hielt ihn zwar nicht davon ab, sich nach seinem Karriereende bisweilen kräftig zu blamieren. Doch jetzt kehrt er als Trainer von Novak Djokovic zu seinen Wurzeln zurück. Unser Autor glaubt, dass das nur gut sein kann - für ihn und seinen Sport.

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Boris Becker verfolgt das erste Spiel von Novak Djokovic in Abu Dhabi betont entspannt.
Boris Becker verfolgt das erste Spiel von Novak Djokovic in Abu Dhabi betont entspannt.Foto: dpa

Boris Becker hat als Tennisspieler alles erreicht. Er hat eine Sportart in Deutschland populär gemacht, der vor seinem ersten Wimbledonsieg noch das Etikett "elitär" anhaftete. Plötzlich stritten die Deutschen genauso begeistert über die richtige Zählweise im Tiebreak wie heute über vermeintliche Abseitsstellungen im Fußball. Tennis entwickelte sich zum Massenphänomen. Millionen Fans an den Fernsehgeräten wurden zu Experten, die sogar die ausgefeiltesten Marotten der Becker-Rivalen kannten. Ob nun Ivan Lendls Vorliebe für Sägespäne zur besseren Schlägerhaftung oder Stefan Edbergs Rückhandgriff beim Aufschlag.

Dass heute auch noch Tennis gespielt wird, mag manchen in Deutschland überraschen. Tatsächlich gibt es bei den Männern mit Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray vier Spieler, die entweder schon Legendenstatus besitzen oder sich auf dem besten Weg dahin befinden. In dieser Liga mischt ab sofort auch Becker wieder mit – bei einem Einladungsevent in Abu Dhabi hat er am Freitag sein Turnierdebüt als Trainer von Novak Djokovic gegeben.

Ironie der Geschichte: In seiner neuen Rolle könnte er auf zahlreiche alte Bekannte treffen. In Abu Dhabi bleibt das erhoffte Duell mit Lendl, der Andy Murray zum Champion geformt hat, zwar noch aus. Aber womöglich wird das schon bald nachgeholt – oder Becker trifft in ein paar Wochen auf Edberg, der im neuen Jahr Federer trainiert.

Nun wird dieses kleine Revival in Deutschland nicht gleich einen Boom auslösen. Aber schon Sabine Lisicki hat mit ihrem Einzug ins Wimbledonfinale gezeigt, dass Tennis in Deutschland noch lebt. Becker, der zuletzt eher eine traurige Figur abgab, könnte bei den Männern Ähnliches gelingen: Sein Kräftemessen mit den Rivalen von einst weckt schon jetzt mehr Interesse als die ewigen Zweitrundenniederlagen seiner deutschen Nachnachfolger.

Und egal, was Becker als Trainer erreichen wird: Mit seiner neuen Aufgabe hat er nicht nur sich selbst, sondern auch dem deutschen Tennis schon geholfen.

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