Kommentar : Bewusste Totalrotation bei Hertha BSC

Unser Autor glaubt an das Gute von Herthas Pokalpleite in Kaiserslautern. Vielleicht wollte Trainer Jos Luhukay durch seine Totalrotation ja einfach nur psychologischen Schaden von seinen Stämmkräften fernhalten. Ein Kommentar.

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Erste Kratzer beim Halbgott: Hertha-Trainer Jos Luhukay.
Erste Kratzer beim Halbgott: Hertha-Trainer Jos Luhukay.Foto: AFP

Hertha und der Pokal – eine Erfolgsgeschichte wird das wohl nicht mehr. Berlins höchster Fußballklub sollte ein paar Jahre auf seinen Startplatz in diesem Wettbewerb verzichten und den Weg frei machen für den unterlegenen Finalisten des Berliner Verbandspokals. Hertha würde Gutes tun und nicht seinen lästigen Ruf bedienen.

Aber mal im Ernst. Mag sein, dass Hertha durch den schwachen Auftritt bei einem biederen Zweitligisten vom nordwestlichen Rand des Pfälzer Waldes Ansehen eingebüßt und Zuneigung im Anhang verloren hat. Die Totalrotation wirkte respektlos gegenüber Gegner, Fans und Wirtschaftslage. Denn es ist vermessen zu glauben, mit einer Ersatzmannschaft auf dem Betzenberg bestehen zu können. Also auf Spieler zu vertrauen, die für die Zweite Liga gut genug waren, aber nach dem Aufstieg von neuen Spielern ersetzt werden. Warum sollten sich die Geprellten reinhängen, obwohl ihnen Woche für Woche Bundesligatauglichkeit abgesprochen wird? Das ist etwas, was Trainer Jos Luhukay wirklich nachdenklich stimmen sollte.

Hertha BSC und der Pokal-Fluch
Raus und vorbei: Die Mannschaft von Hertha BSC scheitert in der zweiten Pokalrunde 2014/15 im Elfmeterschießen an Arminia Bielefeld. Ein Jahr später gibt es ein Wiedersehen, diesmal in Runde eins.Weitere Bilder anzeigen
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07.08.2015 13:17Raus und vorbei: Die Mannschaft von Hertha BSC scheitert in der zweiten Pokalrunde 2014/15 im Elfmeterschießen an Arminia...

Man kann das Pokalaus auch anders sehen. Vielleicht kennt Luhukay Herthas Pokalgeschichte besser als gedacht, wonach der Klub stets in Bestbesetzung gescheitert ist. Unstrittig ist auch, dass selbst eine Pokalfinalteilnahme nie und nimmer einen erneuten Abstieg aufwiegen würde. Vielleicht hat Luhukay bewusst so gehandelt.

Nicht um seine A-Mannschaft für die kommenden Aufgaben in der Bundesliga physisch zu schonen, sondern psychologischen Schaden von ihr fernzuhalten. Womöglich hat Luhukay nicht ausschließen können, auch mit seiner Stammelf in Kaiserslautern auszuscheiden. Nach den zuletzt wackeligen bis rückläufigen Leistungen in der Bundesliga wäre ein weiteres Negativerlebnis im Pokal für sie kontraproduktiv.

Diesen Rückschlag hat Luhukay seiner Bundesligaelf erspart.

Der FSV Mainz 05, Herthas Gegner am Samstag, ist im Pokal ebenfalls an einem Zweitligisten gescheitert. Übrigens mit seiner ersten Mannschaft. Das sind doch Aussichten!

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