Kommentar : Blatters Bremser

Die südafrikanischen Bauarbeiter kündigen einen Streik an – noch vor wenigen Jahren war diese Nachricht ähnlich irrelevant wie die vom chinesischen Reissack. Heute dagegen erzittert nicht nur die Sportwelt. Esther Kogelboom ist auf der Seite der Bauarbeiter.

Esther Kogelboom

Ja, wie sollen denn da die VIP-Bereiche der WM-Stadien rechtzeitig fertig werden? Wie der supermoderne Zug „Gautrain“, der die Fans eines Tages sicher vom Johannesburger Flughafen zum Hotel im Luxusviertel Sandton bringen soll?

Es gibt also wirklich keinen besseren Zeitpunkt, die Maurerkelle zur Seite zu legen. Denn jetzt ist den Bauarbeitern, die von der Gewerkschaft der Bergleute vertreten werden, eine internationale Aufmerksamkeit sicher, die sie sonst nie im Leben bekommen würden.

Gern wird übersehen, dass die 70.000 Männer nicht nur 13 Prozent mehr Lohn einfordern, was in etwa der südafrikanischen Inflationsrate entspricht: Die meist aus den armen Schichten stammenden Arbeiter streiken auch für regelmäßige Fortbildungen, Entwicklungsprogramme und das Recht auf Rente.

Der reiche Fußball-Weltverband Fifa hat gnädigerweise verlauten lassen, man habe nicht vor, an der südafrikanischen Konstitution, in der das Recht auf Streik seit 1996 verankert ist, zu rütteln. Allein, dass die Fifa das betonen muss, lässt auf einen unsympathischen Größenwahn rückschließen. Denn so mächtig ist die Fifa auch wieder nicht. Diese Woche könnten 140 000 starke Arme vorläufig stillstehen lassen, was Joseph Blatter angeschoben hat.

Und das Beste daran ist: Die WM wird trotzdem stattfinden.

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