Kommentar : Brand und die W-Frage

Mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang war Heiner Brand das Aushängeschild des deutschen Handballs, doch so langsam muss er sich jetzt mit einer Frage beschäftigen, die er lange verdrängt hat: Wie geht es nach ihm weiter?

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Wer soll es, wer kann es überhaupt machen? 2013 wird Heiner Brand nach 17 Jahren als Handball-Bundestrainer aufhören. Mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang war der sportverrückte 58-Jährige das Aushängeschild des deutschen Handballs, und so langsam muss sich der jetzt mit einer Frage beschäftigen, die er lange verdrängt hat: Wie geht es nach ihm weiter?

Es droht nun auch auf der Bundestrainerposition das Problem, mit dem sich Brand bei der Auswahl seiner Spieler seit geraumer Zeit herumschlägt. Es gibt kaum Kandidaten, denn die großen Klubs setzen auf internationale Trainer. Natürlich könnte man einen ausländischen Coach zum Bundestrainer machen, doch das wäre für den größten Handball-Verband der Welt schon eine Blamage.

Brand selbst hat als Nachfolger seine früheren Spieler Markus Baur, Christian Schwarzer und Martin Schwalb sowie seinen Kotrainer Martin Heuberger ins Gespräch gebracht. Aus dieser Riege hat sich bisher nur Schwalb in Hamburg bei einem Spitzenklub profilieren können. 2011 allerdings wird er als Coach aufhören und Geschäftsführer beim HSV. Baur und Schwarzer haben noch zu wenig Erfahrung auf der anderen Seite der Linie. Die wahrscheinlichste Lösung könnte Heuberger sein, der die Junioren zum Weltmeistertitel führte. Aber ist der ruhige Assistent der Richtige, um sich im Gerangel mit der Handball-Bundesliga durchzusetzen?

Der unbequeme Querkopf Brand hatte sich immer wieder mit den Klubs angelegt, weil sie deutschen Talenten zu wenig Chancen bieten. Brand hat das Problem sogar noch verstärkt, weil er selbst aus Bankdrückern noch erfolgreiche Mannschaften formte. Seit zwei Jahren aber kann auch er den Mangel an Talenten nicht mehr kompensieren. Und bald kann sich der deutsche Handball auch nicht mehr auf seinen Feuerwehrmann verlassen.

Es ist Brand hoch anzurechnen, dass er schon drei Jahre vorher mitteilt, wann er aufhören wird. Er lässt seinem geliebten Sport damit genügend Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie man die riesige Lücke füllen wird. Doch DHB-Verbandspräsident Strombach erklärte bereits, er werde sich erst damit beschäftigen, wenn es so weit sei. Verdrängung ist auch eine Art der Problembewältigung. Man kann nur hoffen, dass Heiner Brand seinen Nachfolger aussuchen wird.

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