Kommentar : Das deutsche Eishockey ist unten angekommen

Das Olympia-Aus der Eishockeymänner kam mit Ansage. Es ist eine Folge verschiedener naiver Entscheidungen des Deutsche Eishockey-Bunds unter Präsident Uwe Harnos. Zeit, Verantwortung dafür zu übernehmen.

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Bundestrainer Cortina und Spieler können es kaum fassen.
Bundestrainer Cortina und Spieler können es kaum fassen.Foto: dpa

Viel schlimmer konnte es doch nicht kommen. 4:12 hatte die deutsche Nationalmannschaft bei der WM gegen das Eishockeyentwicklungsland Norwegen verloren. 4:12! Doch es kam schlimmer. In einem Turnier mit Italien, Österreich und den Niederlanden, Ländern also, die im internationalen Eishockey bislang nicht weiter aufgefallen waren, haben sie sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren können. Eine einzigartige Farce. Und eine mit Ansage.

In keiner anderen Sportart käme man wohl auf die Idee, den Verband dafür verantwortlich zu machen. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) aber hat einen so dilettantischen Rahmen geschaffen, dass die stumpfen Vorstellungen der Mannschaft auf dem Eis beinahe schon logisch sind. Eine absurde Entscheidung des Verbands folgte der nächsten, ein kruder Kringel dem anderen.

Nach dem Rauswurf des wenig erfahrenen Jakob Kölliker blieb das Nationalteam wochenlang trainerlos. Zuvor hatte der Verband den erfolgreichen wie angesehenen Trainer Uwe Krupp davongejagt, weil der gleichzeitig als Klub- und Nationalcoach arbeiten wollte. Nun steht in Pat Cortina jemand hinter der Bande, der gleichzeitig Klub- und Nationalcoach ist, dafür aber kaum Erfahrung mit großen Teams oder Turnieren mitbringt. Ihn bedachte der Verband großzügig mit einem Dreijahresvertrag.

Verantwortlich für das Chaos, oder schlimmer die Naivität, ist DEB-Präsident Uwe Harnos, der in einem Unternehmen längst seiner Führungsaufgaben entbunden worden wäre. Seine Entscheidungen haben dazu geführt, dass eine Sportart, die nach Aufmerksamkeit lechzt, mit seinem Männerteam auf der wichtigsten Sportbühne der Welt fehlt. Dass ihr dadurch womöglich wichtige Sponsoren- und Fördergelder verloren gehen. Dass sie sich so am Rande der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle bewegen wird, die sich in Deutschland oft nach den Nationalteams richtet.

Die einzige Chance des DEB besteht darin, mit neuem Personal neu anzufangen. Denn das ist einzig Gute an dem Debakel: Tiefer kann es nun wirklich nicht mehr gehen.

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