Sport : Kommentar: Das Ende der Vielfalt

Benedikt Voigt

Wahrscheinlich muss jemand, der alle Sportarten vertreten soll, so etwas fordern. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen solle "die ganze Vielfalt des Sports abbilden", sagte Manfred von Richthofen bei einer Versammlung der Landessportverbandes Baden-Württemberg. Ringer, Turner, Tischtennisspieler und viele andere dürften dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes Beifall geklatscht haben. Denn was flimmert über die Mattscheibe, wenn sie ihren Fernseher einschalten? Fußball, Fußball, Fußball, garniert mit Formel 1, Skispringen, Basketball und ein bisschen Tennis. Von einer Vielfalt des Sports kann keine Rede sein. Warum?

Weil sogar für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsport andere Gesetze gelten als für den Sport im Allgemeinen. ARD und ZDF sind zwar nicht in demselben Ausmaß wie die Privaten von der Quoten abhängig. Aber als Fernsehsender können sie sich nicht den Regeln des Fernsehsports entziehen. Das galt schon für die Zeit, als sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch nicht für teures Geld die Rechte an Sportereignissen sichern musste. Auch damals dominierte Fußball die Berichterstattung, auch damals waren Ringen, Turnen und Tischtennis nur gelegentliche Programmgäste. Es sind Faktoren wie Zuschauerinteresse, Großereignisse und nationale Helden, die den Fernsehsport ausmachen. Und weil sich dieser inzwischen im Dreiecksverhältnis Sport, Medien und Wirtschaft zurechtfinden muss, sind Rechtehandel, Finanzierbarkeit und Senderprofil ebenfalls wichtig geworden. Man kann diese Entwicklung beklagen. Aber ändern kann man sie nur, wenn man mit dem Fernsehen noch mal von vorne anfängt. Irgendwo in den 50er Jahren.

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