Kommentar : Den Betrug auf der Rechnung

Friedhard Teuffel über das Urteil für Ante Sapina und die Folgen.

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Ein Streichler für die deutsche Fußballseele. Das könnte dieses Urteil auch sein. Fünfeinhalb Jahre Gefängnis für Ante Sapina, der Spiele in großem Stile und als Wiederholungstäter manipulieren ließ, um viel Geld zu gewinnen. Bestraft wird einer, der nicht vom Zocken lassen konnte.

Dass Sapinas Verhalten kriminell war, ist unbestritten. Doch es bleibt die Frage, inwieweit es die Strafe nach oben geschraubt hat, dass es hier nicht gewöhnliche Wirtschaftskriminalität ging, sondern um Fußball. Mit seinem Komplizen hat Sapina zum wiederholten Mal gezeigt, wie leicht sich Fußballspieler und Schiedsrichter bis in höchste Ligen dazu verleiten lassen, ein paar tausend Euro zusätzlich zu verdienen, wenn sie die eigene Mannschaft und die Idee des Spiels verraten.

Dieser ideelle Schaden allein kann Sapinas Strafe jedoch nicht rechtfertigen. Der materielle Schaden ist zwar in der Tat sehr hoch. Ihn tragen allerdings auch asiatische Wettanbieter, die bislang nur wenig Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Kontrollorganisationen des Sports gezeigt haben. Das Betrugsrisiko ist offenbar in ihrer Rechnung bereits inbegriffen.

Gerade erst haben die Bundesländer – unter Beifall des Sports – beschlossen, den Markt für Sportwetten zu öffnen. Das Motiv des Sports lautet dabei, mehr Geld zu verdienen. Fußballvereine wollen profitieren vom Spieltrieb sowie Banden- und Trikotwerbung an Wettanbieter verkaufen. Wenn andere Sapinas Geschäftsmodell weiterführen, während er im Gefängnis sitzt, sollte sich darüber später niemand wundern.

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