Kommentar : Der Berliner geht nicht ins Stadion

Unter Champions League machen wir's nicht. Stefan Hermanns über die Unlust der Hauptstädter am Fußball - und über Herthas kommendes Auswärtsspiel im Olympiastadion.

Stefan Hermanns
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Heimspiel in Berlin. Galatasaray Istanbul (hier im Bild Harry Kewell).Foto: AFP

Im Fußball ist auch nichts mehr, wie es mal war. In diesen Tagen erleben wir, dass ein paar ewige Wahrheiten gehörig ins Wanken geraten: dass die deutsche Nationalmannschaft ohne Michael Ballack eigentlich ihre Auflösung beantragen müsste; dass Geld keine Tore schießt (tut es wohl, man muss es nur vernünftig einsetzen) und dass der Berliner an sich ein Schönwetterfan ist, der nur bei Erfolgen seiner Hertha und dann auch nur gegen große Gegner ins Stadion geht.

Stimmt nicht. Der Berliner geht überhaupt nicht ins Stadion. Als Hertha vor einer Woche im Uefa-Cup als Tabellenvierter der Bundesliga (Erfolg) gegen Benfica Lissabon (großer Gegner) spielte, wollten das exakt 26 144 Menschen sehen. 26.144 – das ist und bleibt auch mit einer Woche Abstand für jeden Fußballfan eine zutiefst erschütternde Zahl. Aber unter Champions League macht es der Berliner offensichtlich nicht.

Ein großer Abend für Hertha - finanziell

Woran das liegt, kann niemand genau erklären: Weil das Stadion einfach ein großer Stimmungstöter ist – vielleicht. Weil die Leute in Berlin nun mal wenig Geld haben – und was ist mit den Leuten in Gelsenkirchen? Weil Hertha nicht spektakulär genug spielt – spielt der 1. FC Köln etwa spektakulärer? Nein, nein, nein, selbst wenn man den Verein Hertha BSC und sein Gehabe nicht besonders sexy findet, kann man bei einem Spiel gegen Benfica immer noch ins Stadion gehen, um den Gegner anzufeuern.

So wird es beim nächsten Spiel im Uefa-Cup sein, wenn Galatasaray in Berlin antritt. Aus finanzieller Sicht wird das ein großer Abend für Hertha BSC. Aus atmosphärischer wahrscheinlich nicht. Hertha ist wohl der einzige Klub, der in der Gruppenphase des Uefa-Cups drei Auswärtsspiele bestreiten muss.

Stefan Hermanns schreibt an dieser Stelle im wöchentlichen Wechsel mit 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster.

www.11freunde.de

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