Kommentar : Der Fluch der Meisterschaft

Stefan Hermanns

Auf den ersten Blick ist die Angelegenheit ganz einfach. An der Spitze der Fußball-Bundesliga liegt die TSG Hoffenheim, und zu ihren Leistungsträgern gehören unter anderem der Neu- Nationalspieler Marvin Compper, der in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet wurde, der Fast-Nationalspieler Tobias Weis, der in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet wurde, und der Bald-Nationalspieler Andreas Beck, der in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet wurde. Der VfB Stuttgart liegt in der Bundesliga auf Platz elf. Er hat in den vergangenen beiden Jahren eine Menge gestandener Spieler verpflichtet: Raphael Schäfer, Yildiray Bastürk, Gledson, Ewerthon, Ciprian Marica, Sergiu Radu, Jens Lehmann, Khalid Boulahrouz und Jan Simak.

Auf den ersten Blick hat der VfB also zu wenig auf die eigene Jugend gesetzt, auf den zweiten aber war er dazu im Sommer 2007 gar nicht mehr in der Lage. Im Sommer 2007 sind die Stuttgarter mit einer vergleichsweise jungen Mannschaft Deutscher Meister geworden. Es war auch das Verdienst ihres klugen Trainers Armin Veh. Dass der VfB seinen Meistermacher gestern entlassen hat, ist nicht nur ungerecht, es ist leider auch logisch.

Veh ist nach Helmut Benthaus (1984) und Christoph Daum (1992) der dritte Meistertrainer, der beim VfB daran gescheitert ist, die Entwicklung zu verstetigen. Eigentlich sollte der Titelgewinn erst der Anfang sein; stattdessen ist er erneut der Endpunkt der Entwicklung. Meister werden ist nicht schwer, Meister bleiben umso mehr. Zumindest für den VfB. Eigentlich haben die Stuttgarter alles richtig gemacht. Sie haben aus der eigenen Geschichte gelernt: Sie wollten eine gute Mannschaft, die auch dank günstiger Umstände den Titel geholt hat, gezielt verstärken, um dauerhaft in der Spitze zu bleiben. Sie wollten sich vor allem nicht wieder vorwerfen lassen, sie seien im Moment des Triumphes zu feige gewesen.

Es ehrt Veh, dass er seine Mitschuld an der misslichen Lage eingestanden hat. Geholfen hat es ihm nicht. Gemeinsam mit Manager Horst Heldt verantwortet Veh eine Personalpolitik, die den Klub viel gekostet, aber keinen Ertrag gebracht hat. Vom großen Geld ist in Stuttgart nicht mehr viel übrig. Das ist nicht die schlechteste Nachricht: In Zukunft muss der VfB wohl wieder auf die eigene Jugend setzen.

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