Kommentar : Der große Bluff

Michael Rosentritt lobt Herthas Transfer auf der Torhüterposition - auch wenn damit noch nicht alle Baustellen geräumt sind.

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Anfangen hat alles mit einer großen, nennen wir es, Täuschung. Vor ein paar Tagen noch hat Michael Preetz im Brustton der Überzeugung Herthas Probleme im Tor als eine „Erfindung der Medien“ abgetan, die bereits von Kontakten zu Thomas Kraft zu berichten wussten. Natürlich gab es Handlungsbedarf auf der Torwartposition und natürlich wird in dieser Angelegenheit lange gewerkelt und selbstverständlich bedient sich Preetz des Stilmittels der öffentlichen Schwindelei, weil es anders scheinbar gar nicht mehr geht in dieser Branche. Am Ende zählt, was hinten rauskommt. So gesehen sei Preetz für diesen Fall verziehen. Kraft ist ein guter Transfer, ein Königstransfer. Dafür ein Bienchen.

Thomas Kraft ist talentiert, er hat ein paar Spiele für den FC Bayern bestritten und gelegentlich herausragende Leistungen gezeigt, bisweilen aber auch ein paar Fehler eingestreut. Schreiben wir Letztere seiner Jugend zu. Und seinen Vorderleuten. Es wäre naiv zu glauben, dass mit der Verpflichtung einer tollen Nummer eins alle Baustellen geräumt wären. Auch der talentierteste Torwart ist von der Abwehr, deren Teil er ist, abhängig. Das zeigt gerade das Beispiel Kraft, der inzwischen wieder Ersatzspieler ist. Egal, gut bleibt gut.

Doch Vorsicht, wie Herthas Königstransfer des vorigen Sommers zeigt: Rob Friend, Stürmer, 2,5 Millionen Euro schwer. Hertha hatte den kantigen Kanadier wegen dessen Robustheit geholt, die gerade in der Zweiten Liga so wichtig sei, wie Preetz damals sagte. Nun sagt er, dass er auf Friends Durchbruch in der Bundesliga hofft, wegen seiner – genau – Robustheit. Bis heute aber war Friend ein großer Bluff. Einer, der Feind und Freund täuschte.

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