Kommentar : Der neue Eskortservice

Friedhard Teuffel

Die Bundesliga hat noch einmal Glück gehabt: Der Meistertitel in dieser Saison bleibt erst einmal genauso wertvoll wie der in den vergangenen Jahren. Nicht auszudenken, wenn die beiden Hoffenheimer Spieler Ibertsberger und Janker wegen ihres Zuspätkommens zur Dopingkontrolle gesperrt worden wären und der Aufsteiger aus dem Kraichgau am Ende mit einem Punkt Rückstand auf Hertha BSC den Titel verpasst hätte.

Ein Punktabzug für Hoffenheim ist zwar theoretisch noch möglich, aber derzeit nicht sehr wahrscheinlich. So kann die Bundesliga weiter Fußball spielen und der Deutsche Fußball-Bund sich um eine wichtige Angelegenheit kümmern: die Verbesserung des Dopingkontrollsystems. Da gibt es schließlich eine Lücke. Sie reicht vom Spielfeld bis in den Raum, in dem die Spieler ihre Probe abgeben müssen. Nicht immer legen die ausgelosten Spieler wie in anderen Sportarten längst üblich diesen Weg in Begleitung von unabhängigem Personal zurück, sondern manchmal mit einem Mannschaftsbetreuer. Das will der Fußball-Bund nun ändern. Mit dem System der neutralen Begleiter wäre der Fall Hoffenheim jedenfalls nicht passiert. Zumal diese Begleiter nicht vergessen würden, die ausgelosten Spieler zu informieren.

Es ist ein interessanter Nebenaspekt, dass nun gerade Hoffenheim den Anlass für diese Präzisierung der Abläufe gibt. Also der Verein, der als so mustergültig organisiert gilt. Gut möglich, dass es tatsächlich nur das Versäumnis eines Einzelnen war, das zu dieser Affäre geführt hat. Deshalb kann auch Hoffenheim ja noch Deutscher Meister werden – mit Hilfe von Janker und Ibertsberger.

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