Kommentar : Der Sturz war ein Schock

Romy Oesterreich über die Kür des Paars Sawtschenko/Szolkowy.

Romy Oesterreich

Dieses Ergebnis im Paarlauf ist korrekt, das muss ich sagen. Bronze für Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy geht in Ordnung. Sie waren an diesem Abend einfach nicht gut genug. Robin Szolkowy hatte ja bei der Toeloop-Kombination schon nach dem ersten Sprung kleine Probleme beim Auslauf, kam leicht ins Straucheln und musste dieses Manko im zweiten Dreifach-Toeloop wieder ausgleichen. Aber bei Aljona war’s noch schlimmer, sie sprang den zweiten Toeloop nur doppelt. Warum? Es gab keinen ersichtlichen Grund; sie war nicht in Not wie Robin. Aber so ist unser Sport, da gibt es vieles, das man nicht erklären kann.

Auch der Sturz von Robin beim Doppelaxel darf nicht passieren. Die beiden haben ja extra auf den Dreifach-Salchow verzichtet, weil Aljona damit zuletzt Probleme hatte. Bei der EM in Tallinn hatte mir Trainer Ingo Steuer schon mitgeteilt, dass sie zum Doppelaxel wechseln würden. Bei den Punkten macht das kaum einen Unterschied zum Dreifach-Salchow, zumal sie den Doppelaxel auch noch schwierig angelaufen sind. Robins Sturz war für mich ein Schock, das muss ich zugeben.

Und ich hatte den Eindruck, dass die beiden von dieser Sekunde an nicht mehr diese Selbstsicherheit ausstrahlten, die sie sonst haben. Möglicherweise haben sie daran gedacht, dass es jetzt zu Gold wohl nicht mehr reichen wird. In solchen Momenten lässt dann die Spannung nach, fast unmerklich, es sind Kleinigkeiten, Details, aber sie bestimmten in der Summe den Gesamteindruck.

Dieses gewisse Etwas hat gefehlt. Sie waren immer noch sehr gut, keine Frage, aber sie waren nicht mehr exzellent. Da fehlten zum Beispiel diese Millisekunden, in denen der Blick steht, diese Bruchteile, in denen die Gesten perfekt sind. Dass sie in der Endphase noch einen wunderschönen Wurfsalchow zeigten, half ihnen letztlich auch nichts. Die Chinesen haben dieses kräftezehrende Element inzwischen auch in die Schlussphase ihrer Kür eingebaut.

Gerade bei dem Auftritt der Chinesen Pang Qing und Tong Jian, die Silber gewannen, hat sich an diesem Abend der Unterschied zu den Weltmeistern aus Deutschland gezeigt. Die beiden Chinesen zeigten für mich die beste Kür dieses Abends, es war einfach ein Genuss, ihnen zuzuschauen. Früher galten sie als eher hölzern, inzwischen haben sie aber enorm aufgeholt. Sie haben ihr Silber ebenso verdient wie Xue Shen und Hongbo Zhao ihre Goldmedaille.

Romy Oesterreich war unter ihrem Mädchennamen Kermer mit Rolf Oesterreich 1976 Olympiazweite im Paarlauf. Mit ihrem späteren Mann gewann sie zudem dreimal die DDR-Meisterschaft. Ihr Text wurde aufgezeichnet von Frank Bachner.

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