Kommentar : Deutsche Handballer haben wieder Spaß an der Ehre

Wie auch immer Deutschlands Einzug ins WM-Viertelfinale gewertet wird - sicher ist, dass die Handball-Nationalmannschaft zurück im erweiterten Favoritenkreis für kommende Turniere ist. Und das ist noch nicht einmal die beste Nachricht.

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Die Hände voller Leidenschaft: Handball-Nationaltorhüter Silvio Heinevetter gegen Spanien.
Die Hände voller Leidenschaft: Handball-Nationaltorhüter Silvio Heinevetter gegen Spanien.Foto: dpa

Ein paar offene Fragen bleiben. Wie ist der Einzug der deutschen Handballer ins WM-Viertelfinale denn nun zu werten? Als Ausrutscher im positiven Sinne? Als normaler Anspruch beim mitgliederstärksten Handball-Verband der Welt? Oder gar als Rückkehr in die Weltspitze? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Mit Gewissheit kann man jedenfalls sagen, dass sich die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger mit Blick auf die nächsten Turniere zumindest wieder in den erweiterten Favoritenkreis gespielt hat. Und so überraschend das jetzt auch klingen mag: Dieses Fazit ist nicht mal die beste Nachricht für die wohl deutscheste unter den Sportarten.

Viel bedeutsamer ist der Eindruck, den dieses neu zusammengestellte Team hinterlassen hat: Dass nämlich wieder eine Mannschaft auf der Platte steht, die diese Bezeichnung verdient. Die, natürlich getragen vom Erfolg, auch abseits des Feldes Spaß hat und das für die Freunde und Fans in der Heimat gern dokumentiert. Die Team-Videos bei Youtube und Facebook standen den Spielen in Sachen Unterhaltungswert jedenfalls in Nichts nach. Sven-Sören Christophersen von den Füchsen Berlin sagte, „es habe nie so viel Spaß gemacht, im Nationalteam zu spielen“.

Martin Heuberger hat bei seiner Vorstellung als Bundestrainer im September 2011 einen bemerkenswerten Satz gesagt: Dass es für jeden Spieler wieder eine Ehre sein müsse, den Adler auf der Brust zu tragen. Wie es also in den letzten Monaten unter seinem Vorgänger Heiner Brand ausgesehen hat, erklärt sich dabei von selbst.

Heuberger hat dieses Ehrgefühl bei seinen Spielern offenbar geweckt. Er hat den Nachweis erbracht, mehr zu sein als der ewige Co-Trainer Brands. Selbst nach (mehr oder minder nachvollziehbaren) Absagen von Leistungsträgern verfiel er nicht in Wehleid. Die Spieler, die freiwillig zu Hause geblieben sind, werden sich darüber selbst am meisten ärgern.

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