Sport : Kommentar: Die Alternative

Robert Ide

Ein Image zu haben, ist eine schöne Sache. Egal, ob man als Draufgänger oder Leisetreter gilt, als Macho oder treue Seele - immerhin ist man etwas Besonderes. Nur damit können die Leute was anfangen. Und wenn man sein Selbstbild lange genug aufrecht erhält, glauben die anderen auch dran. Und zahlen sogar Geld dafür.

Zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga. Hier hat sich eine ganze Image-Familie herausgebildet. Da versammeln sich die Kohlekumpel von Schalke neben der alten Dame Hertha und der Hafennutte St. Pauli. Und alle sind was Besonderes. Irgendwie Kult.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nun begab es sich aber, dass auch ein kleiner Klub namens SC Freiburg ein Image haben wollte. Und weil es sich so gut anbot in der sonnigen Studentenstadt, hat man sich die Rolle des politisch korrekten Intelligenzbolzens zugelegt. Mit einem sozial engagierten Trainer Volker Finke, mit vielen ausländischen Mitbürgern in der Mannschaft und mit dem ökologischen Hauptsponsor "Naturenergie AG". Eine schöne kleine, alternative Welt.

Doch diese Welt gerät aus den Fugen. Plötzlich ist Öko nicht mehr in. International wurde das Klimaprotokoll von Kyoto nach unten revidiert, auf nationaler Ebene scheiterte das Dosenpfand. Die Grünen bangen laut Umfragen um ihren Wiedereinzug in den Bundestag. Und in Freiburg? Da macht der Öko-Sponsor Ärger. Denn die Naturenergie AG hat bemerkt, dass im Dreisamstadion auch der Energieversorger FEW / Badenowa eine Werbebande aufgestellt hat. Nun streiten sich beide Sponsoren. Und der Sportclub Freiburg sitzt zwischen den Stühlen und bangt um sein Image.

Ist die ökologische Alternative in Freiburg gescheitert? Nach dem Kommunismus? Nach 68? Vielleicht hilft ein Blick in die Nachrichtenagenturen. Nach dem 3:0-Sieg der Freiburger gegen Werder Bremen titelte der Sport-Informations-Dienst in bewährter Poesie: "Freiburgs Fohlen mit Aufgalopp nach Maß." Das Natur-Image haben sie also noch, wenn auch nur als Pferdezüchter. Die alternative Welt ist nicht verloren. Auch wenn sie immer kleiner wird.

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