Kommentar : Die Chinesinnen Europas

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Die „Chinesen Europas“ hat Timo Boll einmal die deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft der Männer genannt. Weil die Deutschen Tischtennis in Europa so dominieren wie die Chinesen in der Welt. Die Nationalmannschaft der Frauen kann man nun die „Chinesinnen Europas“ nennen. Weil sie so chinesisch ist wie keine andere Mannschaft. Erstmals sind im Team bei dieser Europameisterschaft die Spielerinnen in der Überzahl, die Tischtennis in China gelernt haben. Die Bundestrainerin Jie Schöpp stammt ebenfalls aus China. Das ist einerseits bemerkenswert. Und andererseits unglaublich normal.

Es ist Ausdruck der Tischtennis-Wirklichkeit. Die besten Spielerinnen kommen aus China. Ihr Vorsprung ist noch größer als bei den Männern. Wer es in China nicht mehr in die Nationalauswahl schafft, sucht sein Glück gerne im Ausland. Sieben der letzten elf Europameisterinnen haben chinesische Wurzeln.

Vor diesem Hintergrund jetzt noch einmal die Diskussion zu führen, dass chinesische Spielerinnen den deutschen Nachwuchs um Entwicklungs- und Startmöglichkeiten bringen, ist absurd. Shan Xiaona und Han Ying, die beiden Spielerinnen, die in die Nationalmannschaft dazugekommen sind, leben seit vielen Jahren in Deutschland. Sie haben die deutsche Staatsbürgerschaft nach Aussage des Deutschen Tischtennis-Bundes ohne Einmischung des Verbandes bekommen. Sie sind also Deutsche wie alle anderen auch. Sie haben daher auch die gleichen Startrechte. Und der Verband hat die besten Spielerinnen für diese EM nominiert. So ist die neue deutsche Nationalmannschaft einfach Abbild einer modernen Gesellschaft.

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