Kommentar : Die Händler und das liebe Vieh

Der Erfolg ist ein hinterhältiger Geselle. Er verspricht dir Ruhm und Anerkennung und vor allem viel Geld; dafür raubt er dir im Gegenzug deine Seele. So jedenfalls sieht das Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg.

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Die Kehrseite. Freiburgs Trainer Christian Streit will keinen Erfolg für seine begehrten Spieler.
Die Kehrseite. Freiburgs Trainer Christian Streit will keinen Erfolg für seine begehrten Spieler.Foto: dpa

Und deshalb will er im Moment alles sein, nur nicht erfolgreich – weil die Folgen fürchterlich sind: Die Freiburger Spieler, deren Namen vor einem halben Jahr nicht einmal Sportschau-Junkies geläufig waren, werden jetzt gehandelt wie … ja, was eigentlich? Wie hochverzinsliche Wertpapiere? Oder Schweinehälften?

„Unsere Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt“, hat Streich gerade in der ihm eigenen Erregung geklagt. Üble Mechanismen hat er ausgemacht, wenn plötzlich „Händler und Zwischenhändler“ mitmischten, die auch ihren Teil vom Erfolg haben wollen. Geheime Ausstiegsklauseln der Spieler sind plötzlich für jedermann in den Zeitungen nachzulesen. „Das ist furchtbar“, sagt Streich.

Er hat ja recht, und trotzdem wirkt seine Klage ein bisschen naiv. Dass Freiburg zu klein ist für den Erfolg, mag angesichts mangelnder Erfolge in jüngerer Vergangenheit eine recht frische Erkenntnis sein; ein exklusives Problem der Freiburger ist es nicht. Auch Borussia Dortmund ist, zumindest im internationalen Vergleich, zu klein, sonst hätte der BVB aus seiner Meistermannschaft nicht Nuri Sahin, Shinji Kagawa, Lucas Barrios (und demnächst auch Robert Lewandowski) an finanzkräftige Mitbewerber veräußern müssen.

Exklusiv ist allenfalls die Konsequenz, die Streich aus seinem Dilemma zieht. Exklusiv und radikal. Ein Platz für den Sportclub im Europapokal? Bloß nicht, weil es die Probleme eher noch verschärfen würde! Und auf rauschende Siege steht Freiburgs Trainer derzeit schon mal gar nicht. Lieber noch mal mit fünf Gegentoren verlieren wie in den letzten beiden Spielen gegen Wolfsburg und Dortmund. Dann wäre endlich wieder Ruhe, „und wir können wieder normal arbeiten“.

Damit alles wieder von vorne beginnt.

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