Kommentar : Die Quadratur des Balles

Trotz der Niederlage im Champions-League-Finale ist der FC Bayern München des Jahres 2010 ein Gesamtkunstwerk - ein neuerdings beliebtes noch dazu.

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Schade! Es hat am Ende nicht gereicht für den Vollrausch. Es langte nur zu dem, wozu sie im Grunde alle Jahre in der Lage sind: zum Doppeltriumph, zur nationalen Dominanz, zum FC Bayern München eben, dem hierzulande keiner das Wasser reichen kann, dem aber auf Europas Bühne noch die letzte Konsequenz fehlt. Oder das Glück, wie immer man das benennen möchte. An der Klasse, an der Qualität hat es nicht gelegen, die haben die Bayern in dieser fulminanten Saison allemal bewiesen. Und damit hat diese Mannschaft, dieses Gesamtkunstwerk FC Bayern etwas gewonnen, was vor ihnen noch keinem Bayern-Team gelungen war: allseitige Popularität. Das Image des FC Bayern München 2010 ist positiv – das kommt der Quadratur des Balles sehr nahe. Erfolgreich waren sie immer, in den Siebzigerjahren mit ihrem All-Star-Team um Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Uli Hoeneß. Später mit ihren Vorlenkern Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Michael Ballack. Aber umfassend beliebt waren sie nie. Zu arrogant kamen sie rüber in den frühen Erfolgsjahren, später zu selbstverliebt, schnöselig, abgehoben. Und weil sie Erfolg hatten (fairerweise muss man sagen, auch weil sie gut wirtschafteten), hatten sie Geld. Mehr als andere, und damit mehr Macht und mehr Möglichkeiten. Das schürte Neid und nährte fast schon klassenkämpferischen Widerstand.

Und nun erstrahlt der FC Bayern, erfreut die Menschen, und die danken emphatisch. Wie kommt’s? Weil die Bayern mit Leidenschaft spielen, mit sichtbarem, kindlichem Spaß am Spiel, und das bis zum Abpfiff. Und weil nicht mal mehr der verbohrteste Bayern-Hasser behaupten kann, sie kauften ja nur mit all ihrem Geld die teuersten Stars ein. Sechs Jungs aus der eigenen Jugend wirkten mit am Traum. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg; und dass ihre Leistungsträger eben nicht als arrogante Stinkstiefel auftreten ist ein weiterer. Und schließlich haben sie Louis van Gaal, den Trainer, kantig, kauzig und inzwischen kultig. Ein Gesamtkunstwerk eben, der FC Bayern München des Jahres 2010. Und nun trotz Niederlage ab auf den Rathausbalkon!

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