Kommentar : Die Show ist zu Ende

Lars Spannagel über die Wandlung in Lance Armstrongs PR-Strategie

Lars Spannagel

Die Zeit der Mätzchen ist vorbei. Als Lance Armstrong vor gut einem Jahr in den Radsport zurückkehrte, feuerte er parallel zu seinem Comeback eine PR-Offensive ab. Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger stellte seine Blutwerte für jedermann einsehbar ins Internet und ließ sich öffentlichkeitswirksam vom dänischen Anti-Doping-Experten Rasmus Damsgaard begleiten. Damit ist jetzt Schluss: Gestern verkündete Armstrong, dass Damsgaard mit seinem neuen Team Radio Shack nichts mehr zu tun haben wird, auch das Blut ist ab sofort wieder seine Privatsache.

Das heißt nicht, dass der Texaner jetzt ungehindert in die medizinische Trickkiste greifen kann, mit deren Hilfe er früher mutmaßlich von Sieg zu Sieg fuhr. Die Internet-Werte und der Name Damsgaard waren mehr Show, als dass sie wirklich Aussagekraft hatten – die offiziellen Kontrollen und der biologische Pass des Radsport-Weltverbandes UCI sind weitaus wirksamer. Wenn die Kontrolleure es denn ernst meinen: Im vergangenen Jahr konnte es sich Armstrong auch mal erlauben, die Herren vom UCI warten zu lassen. Der 38-Jährige ist so wichtig für den Radsport, dass er damit durchkommt.

Der PR-Profi Armstrong hat eingesehen, dass er die Zweifler ohnehin nicht von seiner Unschuld überzeugen kann. Deshalb konzentriert er sich nach der Comeback-Show nun als Chef im eigenen Team wieder auf sein Kerngeschäft: Radrennen zu fahren, Radrennen zu gewinnen. Die Konkurrenz sollte sich nach diesem Signal nicht wundern, wenn sie im nächsten Jahr auf den alten Armstrong trifft – im Guten wie im Schlechten.

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