Sport : Kommentar: Die Sonne des Südens im Ruhrgebiet

Helmut Schümann

Ob der Börsengang Borussia Dortmund reich gemacht hat, ob es leichtsinnige Großmannssucht ist, die den Klub immer spektakulärere Transfers tätigen lässt - beides sei mal dahingestellt. Gesichert ist, dass die Borussia Marcio Amoroso dos Santos für vier Jahre unter Vertrag genommen hat und statt seiner dessen wenig beliebten Landsmann Evanilson an den AC Parma verkauft hat, ihn aber für diese Saison noch einmal von den Italienern ausgeliehen hat. 15,5 Millionen Mark muss der Verein an Parma für Amoroso zahlen, und weil er auch noch bei Evanilson in der Schuld steht, rechnet sich der Transfer auf rund 51 Millionen Mark hoch.

Man muss das verwirrende Finanzmodell jetzt nicht verstehen. Festzuhalten bleibt, dass der Verein vom östlichen Ruhrgebiet erst den Tschechen Tomas Rosicky (für 25 Millionen Mark), dann dessen Nationalmannschaftskollegen Jan Koller (für 21 Millionen Mark) und nun den Brasilianer Amoroso verpflichten konnte.

Und was lehrt das? Dass die Bundesliga offensichtlich im Ansehen von Spielern und Spielervermittlern weit besser beleumundet ist als bislang angenommen. Bisher war es doch eher so, dass italienische, spanische und englische Vereinsbosse nur mit dem Finger schnipsen mussten, und schon entflohen in- und ausländische Stars der Liga. Ein Amoroso allein macht nun noch keine Rückwanderungswelle aus, dass aber ein brasilianischer Nationalspieler die Sonne des Südens scheinen lässt und sich ins eher bescheidene westfälische Klima begibt, ist zumindest bemerkenswert und passt zusammen mit den Problemen, die Bayern Münchens Andersson hat, beim FC Barcelona unterzukommen, zu den jüngsten Gewinnwarnungen der europäischen Spitzenklubs.

Der AC Florenz und Lazio Rom, der FC Valencia und der FC Barcelona, Newcastle United und der FC Middlesbrough stehen vor der Pleite - und das sind nur die bekannt gewordenen Einbrüche. Nun werden Spieler verkauft, andere nicht eingekauft - und die Bundesliga profitiert davon. Aus hiesiger Sicht sind das nicht die schlechtesten Konsequenzen einer arg überhitzten Marktwirtschaft.

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