Kommentar : Die Spritzenreiter

Katja Reimann fordert klare Dopingregeln für den Reitsport.

Katja Reimann

Erlaubt ist, was gefällt. Und was nicht gefunden wird. Ludger Beerbaums Geständnis, seine Pferde jahrelang während großer Turniere mit Medikamenten behandelt zu haben, ist erschütternd. Und es blamiert erneut den internationalen Springsport, dessen Ruf seit den Dopingskandalen um Christian Ahlmann und Marco Kutscher schon fast irreparabel Schaden genommen hat. Die Doping-Regularien im Reitsport sind kompliziert, das stimmt. Die Grenze zwischen verbotener Medikation, die nur leicht bestraft wird, und handfestem Doping ist unklar. Die Listen des Weltverbandes der Reiter über verbotene, halb verbotene und ein bisschen erlaubte Wirkstoffe sind umfangreich und verwirrend. Die Bestimmungen zu reformieren – und vor allem: verständlicher zu gestalten – fordern die Profis schon lange, spätestens jedoch seit den Olympischen Reiterspielen in Hongkong.

Dass sich die Reiter im Stress des Wettkampfs nicht mit Wirkstoffen in Tiegeln und Tübchen auseinandersetzen, kann mit viel gutem Willen noch nachvollzogen werden. Schließlich, so könnte man denken, gibt es ja auch Tierärzte im Team, die ein Auge auf die Behandlung der Sportpferde haben sollten, so sie nötig ist. Doch Medikamente auf Verdacht einzusetzen, im Wissen, dass sie möglicherweise verboten sind, ist nicht gutgläubig, sondern dreist. Ludger Beerbaum, dessen verbotene Medikation seines Pferdes die deutsche Equipe bei Olympia 2004 die Goldmedaille kostete, hat offenbar nichts aus seinen Fehlern gelernt. Bleibt zu hoffen, dass es die Reiterverbände nun tun – und endlich klare Regeln aufstellen und häufigere Dopingkontrollen durchführen. Und die Reiter auch an ihre Moral und Verantwortung gegenüber den Tieren erinnern. Damit nicht mehr alles erlaubt ist, was gefällt – und was um jeden Preis zum Sieg führt.

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