Kommentar : Dimitrij Ovtcharov: Realistisch geträumt

Olympiasieger im Tischtennis 2016. Das ist das sportliche Ziel von Dimitrij Ovtcharov. Was im ersten Moment vermessen klingt, ist nur konsequent, meint unser Autor in seinem Kommentar.

von
Nur nach oben. Dimitrij Ovtcharov hat hohe Ziele. Foto: dpa
Nur nach oben. Dimitrij Ovtcharov hat hohe Ziele.Foto: dpa

Soso. Dimitrij Ovtcharov will also 2016 Olympiasieger im Tischtennis werden. Das klingt erst mal, als ob er noch nicht mitbekommen hätte, dass die chinesische Staatsbürgerschaft Voraussetzung ist, um diese Goldmedaille verliehen zu bekommen. Und wenn er es nicht schafft, müsste man ihn dann nicht einen Ankündigungsolympiasieger nennen? Bloß nicht. Denn die kühnsten Träume im Sport kommen manchmal der Wirklichkeit am nächsten.

Sich den Olympiasieg vorzunehmen, ist das einzig Richtige für Ovtcharovs Karriereplanung. Die Bronzemedaille hat er schon, und mit einem höheren Ziel lohnt es sich, weiter Tag für Tag im Training Bälle übers Netz zu schlagen und den Körper noch besser in Form zu bringen. Es wäre schließlich ein großartiger Triumph, als erster Nicht-Chinese seit Jahrzehnten im Tischtennis ganz oben aufs Podest zu steigen.

So merkwürdig es klingt, aber bei Olympia sind dafür die Chancen besonders hoch, denn es dürfen nur zwei Chinesen im Einzel starten. Ovtcharov hat die Form seines Lebens ohnehin noch vor sich, vielleicht hat er sie genau 2016. Vor allem kann er von der Erfahrung profitieren, die sein Landsmann Timo Boll beim ewigen Anrennen gegen die chinesische Mauer gesammelt hat. Eine könnte sein: sich nicht zu verzetteln in zu vielen Turnieren und Verpflichtungen, sondern sich bei jeder Entscheidung zu fragen, ob sie ihn näher an den Olympiasieg bringt. Damit fängt Ovtcharov schon an. Er will im nächsten Sommer heiraten. Aber die Flitterwochen danach müssen warten. Wegen einer Tischtennis-Bildungsreise nach China.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben