Kommentar : Doping ist Mathe

Der Dopingfall Owtscharow ist ebenso wie die Fälle Contador und Pechstein rechnerisch gelöst worden – wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen.

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Dopingfälle sind Wahrscheinlichkeitsrechnungen geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Tischtennisspieler Dimitrij Owtscharow mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol gedopt hat, beträgt etwa ein Prozent. Dieses Ein-Prozent-Szenario hätte so ablaufen müssen: Gemeinsam mit vier Nationalspielern hat sich Owtscharow in China zum einmaligen Dopen mit einer Substanz verabredet, die als Nebenwirkung das im Tischtennis nicht gerade erwünschte Zittern hat.

Die Analysen von Haaren und Urin geben eine andere Lösung vor: Owtscharow hat sich in China an einem verseuchten Stück Fleisch verschluckt. Die Frage bleibt dabei unbeantwortet, warum nicht viel öfter bei Sportlern in China Clenbuterol nachgewiesen wird. Doch dieser Zweifel muss nicht Owtscharow belasten, sondern eher das Dopingkontrollsystem.

Es ist eine Ironie der Sportgeschichte, dass sich gerade zwei international erfolgreiche Sportler gegen den Dopingvorwurf mit Clenbuterol zur Wehr gesetzt haben. Für den spanischen Radprofi Alberto Contador muss man jedoch wieder eine ganz andere Rechnung aufmachen. Die ist deutlich schwerer, auch weil die Öffentlichkeit noch die Dopinganfälligkeit seiner Sportart hineinaddiert.

Selbst der Fall Claudia Pechstein ist letztlich mathematisch gelöst worden. Die Juristen haben bei ihr eins und eins zusammengezählt und dabei die Variablen für unbekannt erklärt, mit der sie ihre Unschuld zeigen wollte. Es ist die vielleicht bisher komplizierteste Dopinggleichung.

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