Kommentar : Drin ist drin

Was liegt näher, als nach einer knappen 1:9-Niederlage den Zollstock auszuklappen und mal die Dimensionen des gegnerischen Gehäuses zu prüfen. Axel Vornbäumen hält zu kleine Tore jedenfalls für keine allzu große Sache.

Axel Vornbäumen

Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Sonst noch was? Aber ja: Ein Tor ist 7,32 Meter breit und 2,44 Meter hoch.

Nur, jetzt mal im Ernst: So rund ist der Ball meist auch wieder nicht, und dass ein Spiel exakt 90 Minuten dauern soll, behauptet schon lange kein vernünftiger Mensch mehr. Manchmal beklagt sich nachher einer, das schon, ein Torwart zum Beispiel („War’n Flatterball!“), oder ein Trainer („Der Schiri hat zu früh abgepfiffen!“); geklagt wird da seltener.

Im nordrhein-westfälischen Dattenfeld hat am 12. August dieses Jahres die heimische Germania gegen den SV Straelen 4:0 gewonnen – und ohne jetzt allzu sehr ins Detail gehen zu wollen: Das Spiel wurde von einer breiteren Öffentlichkeit in seiner Bedeutung möglicherweise hoffnungslos unterschätzt. Denn auf dem Dattenfelder Sportplatz machten sich die Tore dermaßen mickrig aus, dass der unterlegene SV Straelen nach der 0:4-Packung auf die prima Idee kam, Protest gegen die Wertung des Spiels einzulegen. Statt der vorgeschriebenen 2,44 Meter waren sie nämlich nur 2,27 Meter hoch. Die Sache hat mittlerweile zwei Instanzen durchlaufen und liegt nun vor dem DFB-Sportgericht. Bekommt der SV Straelen dort Recht, dann bekommen die Sportgerichte in unseren Landen demnächst womöglich viel zu tun. Was liegt näher, als nach einer knappen 1:9-Niederlage den Zollstock auszuklappen und mal die Dimensionen des gegnerischen Gehäuses zu prüfen. Könnte nicht der gesunde Menschenverstand, der vor Gericht eher eine untergeordnete Bedeutung spielt, weiterhelfen?

Erstinstanzlich hatte Germania Dattenfeld Recht bekommen – die Tore, hieß es, seien schließlich für beide Mannschaften gleich groß (in dem Fall: klein) gewesen. Na bitte.

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