Kommentar : Duisburg, Offenbach, Aachen und der Fluch der schönen Stadien

Nach Alemannia Aachen und Kickers Offenbach hat es jetzt auch den MSV Duisburg erwischt. Er bekommt keine Lizenz für die Zweite Liga. Alle drei Klubs haben eins gemeinsam: ein Stadion, das sie nicht finanzieren können.

von
In stiller Trauer. In Duisburg ist der Traum vom Bundesliga-Fußball gestorben.
In stiller Trauer. In Duisburg ist der Traum vom Bundesliga-Fußball gestorben.Foto: dpa

Die Weltmeisterschaft 2006, auch: „Das Sommermärchen“, ist für viele nur noch als blasse Erinnerung an eine riesige Freiluft-Party präsent. Ach, lange her, aber schön war’s. Dabei sind die Folgen der großen Party noch gar nicht abzusehen. In Duisburg hat sie gerade ihr nächstes Opfer gefordert: den traditionsreichen Meidericher SV, der nun rechtsgültig keine Lizenz für die Zweite Liga erhält.

Was das mit der Weltmeisterschaft 2006 zu tun hat? Die WM vor sieben Jahren gilt immer noch als Segen für den deutschen Fußball, weil sie den Vereinen eine Infrastruktur beschert hat, die in der Welt ihresgleichen sucht. Sie hat aber auch die nicht ganz so großen Städte und Klubs dieses Landes in einen ruinösen Wettbewerb getrieben, dessen Resultat jetzt in Aachen und Offenbach zu besichtigen ist, in Osnabrück, Bielefeld, Dresden – und eben Duisburg.

Die drei Profiklubs, die für die neue Saison keine Lizenz erhalten haben (MSV Duisburg, Alemannia Aachen, Kickers Offenbach), haben alle eins gemeinsam: ein neues Stadion mit angeblich unbegrenzten Vermarktungsmöglichkeiten, das sie nur leider nicht bezahlen können. Die Arena in Duisburg hat 43 Millionen Euro gekostet, sie bietet 31 500 Zuschauern Platz – und war vorige Saison nur selten zu mehr als der Hälfte gefüllt. Trotzdem musste der MSV weiterhin bundesligaübliche fünf Millionen Euro Miete bezahlen. Für einen mittelmäßigen Zweitligisten ist das nicht zu stemmen.

Es ist ja schön, dass Deutschland bis in die Niederungen des semiprofessionellen Fußballs über so viele tolle Stadien verfügt. Nur haben sich die Plätze in der lukrativen Bundesliga leider seit Jahrzehnten nicht entsprechend vermehrt. Es sind immer noch 18. Der Wunsch dazuzugehören, hat einige Klubs (vor allem die mit großer Vergangenheit) dazu getrieben, die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen. Daran ist im Übrigen nicht die WM 2006 schuld.

2 Kommentare

Neuester Kommentar