Kommentar : Ecclestone: Diktator vor der Abwahl

Bernie Ecclestone propagiert die auch von ihm in der Formel 1 gepflegte Diktatur, aus seiner Verachtung für die Demokratie hat der Formel-1-Chef nie ein Geheimnis gemacht. Nun könnte die Demokratie den Diktator hinwegfegen. Ein Kommentar von Christian Hönicke.

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Mächtig umstritten. Bernie Ecclestone.
Mächtig umstritten. Bernie Ecclestone.Foto: dpa

Aus seiner Verachtung für die Demokratie hat Bernie Ecclestone nie ein Geheimnis gemacht. Sie ist ihm zu behäbig und unproduktiv, er selbst propagiert deshalb die auch von ihm in der Formel 1 gepflegte Diktatur. Einmal lobte er Hitler und Saddam als Männer, die „etwas geschafft haben“. Diesen Skandal hat der Formel-1-Imperator damals wie so viele andere einfach ausgesessen. Doch nun droht ihm der Sturz. In der BayernLB-Affäre hat die Staatsanwaltschaft München laut der „Süddeutschen Zeitung“ Anklage gegen Ecclestone erhoben. Eine Gerichtsverhandlung rückt näher, und damit auch das Ende der Herrschaft des 82-Jährigen.

Vier Jahrzehnte war Ecclestone der Herr der Rennwagen, doch nun überholt ihn die Zeit. Den Aufstieg des basisdemokratischen Internets verfolgt er mit Argwohn. Statt Transparenz in dem Milliardengeschäft herzustellen, verwischt er seine Spuren weiterhin in einem Netz aus mehr als 30 Firmen. Und Bankmitarbeiter sind für ihn sowieso nur „Clowns“.

Das klingt nach der selbstgerechten Arroganz der Alleinherrscher, der auch Uli Hoeneß verfiel. Der reuige Steuersünder konnte sich beim FC Bayern München noch dank seiner Seilschaften im Präsidentenamt halten. Doch die Formel 1 ist ungleich internationaler – Weltkonzerne wie Fiat und Mercedes geben viel Geld für diese Werbung aus und wollen dabei nicht von einem Mann repräsentiert werden, der selbst mit seiner angeblichen Rolle als Mastermind hinter dem großen englischen Postraub kokettiert. Im Falle einer Anklage bietet sich ihnen die historische Gelegenheit, den Alten endlich loszuwerden. Und die Vorbereitungen laufen schon. Der Investmentfonds CVC, dem die Formel 1 gehört und in dessen Auftrag Ecclestone den Rennzirkus lenkt, hat angeblich bereits eine Interimslösung ausgearbeitet. Bernie Ecclestone wäre nicht der erste Diktator, der am Ende von der Demokratie hinweggefegt wird.

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