Kommentar : Ein bisschen Erfolg muss sein

Der deutsche Basketball hat in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, findet unser Autor. Und trotzdem könnte die Nationalmannschaft bei der EM frühzeitig und chancenlos ausscheiden.

von
Jung übt sich. Robin Benzing (rechts) jubelt nach Punkten seiner Mannschaftskollegen beim Spiel gegen Schweden Ende August.
Jung übt sich. Robin Benzing (rechts) jubelt nach Punkten seiner Mannschaftskollegen beim Spiel gegen Schweden Ende August.Foto: dpa

Der deutsche Basketball hat in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. In der neuen Saison wird es fünf deutsche Profis in der amerikanischen NBA geben, der gelobten Liga dieser Sportart. Hinter den Spitzenspielern drängen sich die Talente, deutsche Jugendteams haben zuletzt bei großen Turnieren so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr abgeschnitten. Und in der stetig wachsenden Bundesliga kommt der Nachwuchs immer mehr zum Einsatz. Ab heute spielt das Männer-Nationalteam bei der EM in Slowenien – und könnte ganz gegen den Trend frühzeitig und chancenlos ausscheiden.

Was paradox wirkt, hat Methode. Zumindest ein bisschen. Die künftigen NBA-Profis Dennis Schröder, Elias Harris und Tim Ohlbrecht wollen den Sommer nutzen, um sich Stammplätze bei ihren US-Klubs zu erkämpfen. Sie sagten Bundestrainer Frank Menz für die EM genauso ab wie Dirk Nowitzki und dessen eingebürgerter Adjutant Chris Kaman. Das stark verjüngte Nationalteam soll sich in Slowenien entwickeln, die Spieler will Menz zu Gesichtern ihrer Sportart machen. Mittelfristig macht dieser aus der Not geborene Plan Sinn – ganz ohne kurzfristigen Erfolg sollte Menz aber nicht zurückkehren. Denn ein drastisches Scheitern bleibt oft lange im Gedächtnis. Nicht nur bei Nowitzki, der ein Comeback im Nationalteam weiter nicht ausschließt, sofern er sich mit seinen Mitspielern und dem Trainer identifizieren kann. Auch der nicht gerade basketballaffine Fernsehpartner ARD, der sich zur Übertragung mehrerer EM-Gruppenspiele durchgerungen hat, könnte sich ein weiteres Engagement zweimal überlegen, wenn er aus Slowenien Pleiten gegen Belgien oder Großbritannien zeigen muss.

Insofern ist der Druck auf Frank Menz doch größer, als es die Umbruchsituation vermuten lässt. Ein Rückschritt in den nächsten Tagen könnte nämlich den Sprung der vergangenen Monate schnell vergessen machen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben