Kommentar : Ein bisschen Pokal

Die deutsche Nationalmannschaft spielt gegen Liechtenstein. Stefan Hermanns über den Reiz der Kleinen im großen Fußball.

Stefan Hermanns

Die Deutsche Presse-Agentur hat ihren Kunden gestern einen wertvollen Dienst erwiesen. Am Mittag verschickte sie eine Liste mit den höchsten Siegen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Vor Begegnungen mit Kleinststaaten wie San Marino, Andorra oder – wie heute Abend – Liechtenstein gehört das zur normalen Vorbereitung. Man kann ja nie wissen.

Spiele gegen Liechtenstein, 32 000 Einwohner, 1700 aktive Fußballer, beziehen ihre Spannung vor allem aus der Frage, wie hoch der Sieg am Ende wohl ausfallen wird. Auch deshalb würden die Großen des internationalen Fußballs der Qualifikation für Welt- und Europameisterschaften am liebsten noch eine Qualifikation für die Qualifikation vorschalten. Das wäre sehr schade, wie ein Blick auf den Europapokal beweist. Dem europäischen Vereinsfußball ist fast sämtliche Exotik abhanden gekommen. Bei Ländervergleichen ist immerhin noch ein bisschen Pokalromantik möglich, ein wenig Vestenbergsgreuth: weil Liechtensteins Verteidiger im richtigen Leben als Maurer arbeitet oder die Färöer alle Jubeljahre mal einen 1:0-Kantersieg gegen Österreich landen.

Die Deutsche Presse-Agentur hat der Liste mit den höchsten deutschen Siegen gestern übrigens noch eine Liste mit den größten Achtungserfolgen Liechtensteins folgen lassen. Dazu zählt auch ein 2:2 gegen Portugal.

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